Schreckgespenst Wochenmarkt?
Ebinger Innenstadthandel glaubt nicht an Synergieeffekte zum Wohle der eigenen Geschäfte
Albstadt-Ebingen, 12.03.2010 von Dagmar Stuhrmann
Im dritten Anlauf will die Stadtverwaltung die Verlegung des Ebinger Wochenmarkts noch vor der Sommerpause zur Entscheidung in den Gemeinderat bringen. Nachdem vor einigen Jahren der erste Versuch scheiterte und Anfang 2009 auf Bitten des HGV der zweite Anlauf verschoben wurde, stellt sich an diesem Punkt im Verfahren für Teile des Handels nochmals die Grundsatzfrage: Welcher politische Wille steckt eigentlich hinter der geplanten Marktverlegung? „Wieso will die Stadt den Markt überhaupt umsetzen?“ brachte es Eva Hailfinger beim HGV-Gesprächsabend im Café Früholz auf den Punkt. Woraufhin sich Vorsitzender Wolfgang Gross mit einer Erklärung versuchte: Das gehe wohl auf die „graue Vorzeit“ zurück. Früher habe der Markt eben, wie's der Name schon sagt, in der Marktstraße stattgefunden.
Das Meinungsbild im Innenstadthandel ist nicht einheitlich, aber, so Gross, doch klar: Zwei Drittel derer, die den Fragebogen des HGV zurückschickten, haben sich gegen die Marktverlegung ausgesprochen. Ramón Binder schlüsselte die Zahlen im einzelnen auf. Die Befürchtungen der Händler: Die Schaufenster würden durch die Stände verdeckt, das Samstagsgeschäft komme zum Erliegen. Dem hielt Liegenschaftsamtsleiterin Monika Lamparter, die zusammen mit Michele Aicher die Gestaltungspläne vorstellte, entgegen, dass die Stände weit von den Gebäuden entfernt aufgestellt würden und die Eingänge möglichst freigehalten würden. Ein weiteres Argument der Händler: Der Markt könne in der Marktstraße – mit einem „Seitenarm“ in den Landgraben – nicht funktionieren, weil ein Teil der Stände abgehängt sei. Der Seitenarm lässt sich laut Monika Lamparter nicht vermeiden: „Es passen nicht alle Stände in die Marktstraße.“ Im übrigen auch nicht auf den Bürgerturmplatz, der aufgrund der Tiefgaragenzufahrt nicht voll nutzbar sei, sagte Gross.
Auch das Argument, dass nach der Verlegung des Marktes Parkplätze im Spitalhof entstünden, zieht bei den Händlern nicht. Erstens bringe das eine weitere Belastung für die künftig einzige Zufahrtsmöglichkeit zur Altstadt, das „Nadelöhr“ am hinteren Landgraben. Zweitens gebe es genügend Parkplätze. Eine Aussage, die sich Stadtrat Dr. Matthias Strähler augenzwinkernd „für andere Gelegenheiten merken“ will. Wie Wirtschaftsförderer Andreas Hödl, der sich als Gegner der Verlegung positionierte, machte auch Dr. Strähler deutlich, dass er Sympathie für das Belassen des Marktes im Spitalhof habe. Die Anbindung an die Marktstraße sei wichtig. Allerdings müsse sich der Bogen schließen, d.h. die Stände sollten das Altstandrund zwischen Landgraben und Kapellkirche dann ohne Lücken ausfüllen. Andreas Hödl begründete seine Meinung damit, dass „mit einem Samstagsmarkt in der Hauptgeschäftsphase in einer 1A-Lage“ mit Umsatzrückgängen zu rechnen sei. „Geschäftsschädigende Belebung“ nannte Holger Bänsch die geplante Marktverlegung. Es handle sich bei den Marktbesuchern und den Innenstadt-Kunden um verschiedene „Kundenzielgruppen“. Synergieeffekte seien nicht zu erwarten.
Das Fazit des Abends: Die Anwesenden wünschen sich, gestützt durch das Ergebnis der HGV-Umfrage, dass der Markt im Spitalhof bleibt. Allerdings müsse er an die Marktstraße erkennbar angebunden werden – am besten vom nördlichen Landgraben her.
