„Sicherheit geht immer vor“
Pflanz zu Feuerwehr-Querelen: „Ursache liegt in gestörter Kommunikation“
Albstadt-Ebingen, 11.03.2010 von Dagmar Stuhrmann
An ihn, den zuständigen Dezernenten, war der mittlerweile kursierende und von nahezu allen Führungskräften unterschriebene Brief der Feuerwehrabteilung Ebingen im Mai 2009 gerichtet gewesen, in dem diese einen Forderungskatalog aufgestellt hatten, auf dessen Umsetzung sie pochten. Ansonsten, kündigten die 22 Unterzeichner damals an, würden sie zurücktreten.
Der Brief macht jetzt, anonym versendet, die Runde und lenkt die Aufmerksamkeit erneut geballt auf die Unstimmigkeiten bei der Feuerwehr. In dem Schreiben an Pflanz wird nicht nur die Unzufriedenheit mit dem für die Verfasser „unakzeptablen Führungsstil“ von Stadtbrandmeister Michael Adam deutlich, sondern auch die Besorgnis geäußert, dass die Sicherheit der Bürger nachhaltig in Gefahr sein könnte. Die Spannungen zwischen Stadtbrandmeister und Ebinger Abteilung sind seit längerem bekannt. Zumindest vordergründig geht es in dem Forderungskatalog um Maßnahmen, die Teil von Adams Rohentwurf für sein noch nicht verabschiedetes „Brandschutzbedarfskonzept“ sind. Beispielsweise darum, ob ein Vorausrüstwagen für die technische Hilfeleistung nötig ist oder diese auch anders abgewickelt werden kann. Eine Antwort hierauf hängt offenbar von der jeweiligen „Philosophie“ ab, kann also durchaus in der Sache kontrovers diskutiert werden. Das allerdings ist in der verfahrenen Situation nicht mehr möglich gewesen. Wie Bürgermeister Pflanz, Ordnungsamtsleiterin Maier und ihr Stellvertreter Märkle als direkte Vorgesetzte von Adam, die gestern die Vorgänge explizit aufdröselten, bestätigen, machen die zwischenmenschlichen Misstöne eine Sachdiskussion zwischen Adam und Ebinger Abteilungsführung unmöglich. Pflanz indessen stellt klar: Sein Blick gelte der Gesamtwehr. „Oberstes Gebot ist und war stets, die Sicherheit der Bürger sicherzustellen.“ Konfrontiert mit den Reibereien, habe die Verwaltung versucht, die gestörte Kommunikation zwischen Adam und Ebingern wieder in Gang zu bringen. Der Zwist habe nicht lange nach Adams Dienstantritt 2007 angefangen. Adam habe, so Pflanz, „gewisse Veränderungen“ vorgenommen, was die Ausstattung in den Bereichen technische Hilfeleistung und Beschaffungen angehe. Der Zwist gipfelte schließlich in dem „Ultimatumsschreiben“.
Pflanz berichtet von zahlreichen Gesprächen, die erfolglos blieben. Deshalb wurde ein Mediationsverfahren angeboten. Metzger sei von ihm darauf aufmerksam gemacht worden, dass ein Rücktritt nur bei „besonderer Härte“ möglich sei, und dass das „Ultimatumsschreiben“ den Tatbestand der versuchten Nötigung darstelle. Dennoch habe er zugesagt, die Forderungen zu prüfen, nichts unter den Tisch zu kehren.
Der Feuerwehr- und auch der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats wurde über das Ultimatum informiert und zur Gewährleistung der Sicherheit ein Notfallplan vorgestellt. Am 28. September 2009 habe der Ebinger Abteilungskommandant Claudius Metzger erklärt, dass „wir von unserem 'Rücktrittsgedanken' mit sofortiger Wirkung ablassen“. Pflanz: „Damit war bzw. ist das Ultimatum vom Tisch.“
In der Folgezeit sei die Verwaltung weiterhin um Kommunikation bemüht gewesen. Letztlich ohne Erfolg: Bei der Abteilungsversammlung Ebingen eskalierte sie Situation. Daraufhin wurde eine verwaltungsinterne Steuerungsgruppe gegründet. Moderierte Arbeitsbesprechungen zwischen Adam und Metzger wurden vereinbart. Doch noch vor dem ersten Termin habe Metzger erklärt, dass er nicht teilnehmen werde. Auf Pflanz' nochmalige Aufforderung zur Teilnahme sei tags darauf Metzgers Antrag auf Entlassung aus dem Amt eingegangen.
Pflanz verhehlt nicht: „Die Situation ist schwierig.“ Man müsse jetzt nach vorne schauen. Der weitere Fortgang, die Frage der Wiederbesetzung der Kommandantenstelle, werde mit allen Verantwortlichen gemeinsam abgestimmt. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass wieder Normalität bei der Wehr einkehren werde, sagt Pflanz: „Ich hoffe.“
