„Nicht für Dich, Lehrer“
04.03.2010 von Volker Bitzer
Schlechte Noten, mieses Zeugnis – und wer ist schuld daran? Sind es wirklich einzig die Schüler selbst, die ihre Vieren oder gar Fünfen in der Leistungsbeurteilung kassieren? Denken Sie mal an Ihre Schulezeit zurück. Nicht, dass ich jetzt auf der gesamten Linie der strebsame Musterschüler gewesen wäre, doch erinnere ich mich erstens kaum an eine Zeugnis-Vier und zweitens war ein Absacken um eine Note gewiss nicht nur meinem eigenen Unvermögen oder gar der temporären Lern-Müdigkeit zuzuschreiben. Meinen Mitschülern erging es nicht anders und sicher bestätigt jeder: Der Lehrer hat einen großen Anteil am Auf- oder Abstieg der Schüler. Seinen Fähigkeiten ist es zuzuschreiben, ob er den Stoff vermitteln kann. Die pädagogische Begeisterungsfähigkeit ist mit ausschlaggebend, wie interessiert ein Schüler im Unterricht hockt. Dann kann aus einer drei in Mathe mal ganz schnell eine zwei oder gar ne eins werden. Glücklich schätzen darf sich also, wer seine Schulzeit mit vielen guten und engagierten Pädagogen im Klassenzimmer verbrachte oder verbringt. Was aber tun mit den weniger begabten (Lehrern)? Nein, Amerika soll uns dieses Mal wirklich kein Vorbild sein: Wie jüngst in den Zeitungen zu lesen war, wurden an einer High School in Rhode Island tatsächlich alle 93 Lehrer gefeuert. Grund: Nur die Hälfte der Schüler packte wegen mangelnder Wissens-Vermittlung den Abschluss. Da fällt mir doch spontan aus alten Deutschstunden-Zeiten Johann Heinrich Pestalozzi ein, der da sagte: „Der Mensch will so gerne das Gute, das Kind hat so gerne ein offenes Ohr dafür; aber es will es nicht für dich, Lehrer, es will es nicht für dich, Erzieher, es will es für sich selber.“
