Die USA haben nicht unrecht
02.03.2010 von Klaus Irion
Zehn Goldmedaillen, 13 Silbermedaillen, 7 Bronzemedaillen, das ist die Ausbeute der Deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver. Und so steht es auch im Medaillenspiegel, den das deutsche Team wiederum mit dem „Gewinn der Silbermedaille“ hinter Gastgeber Kanada und vor den Vereinigten Staaten bewältigt hat. Doch die USA wären nicht die USA, wenn sie nicht doch in Sachen Medaillen auf Platz eins gelandet wären. Wie? Ganz einfach. Die Amerikaner zählen stets alle Medaillen gleich welcher Couleur zusammen. Und siehe da. Mit 36 Medaillen sind sie ganz vorn, Deutschland ist wieder Zweiter, Kanada in diesem Fall Dritter. Typisch Amerika ist man geneigt zu sagen. Und doch hat die US-Zählweise einiges für sich, wenn ein Medaillenspiegel des schnöden Patriotismus’ wegen denn überhaupt sein muss. Schließlich wird die Leistung eines Drittplatzierten ebenso hoch eingestuft wie die eines Olympiasiegers. Und mal ehrlich. Ist es fair, einen Unterschied im Hundertstel-Sekunden-Bereich, beim Rodeln gar im Tausendstel-Sekunden-Bereich zu machen. Als der Schwede Thomas Wasberg bei den olympischen Spielen 1980 dem Finnen Juha Mieto die Goldmedaille im 15-Kilometer-Langlauf um eine einzige Hundertstelsekunde wegschnappte, verlangte der Sieger vom IOC zwei Goldmedaillen. Das IOC lehnte – wie ich finde unsportlicherweise – ab ab. Immerhin: Als Folge dieses legendären Rennens wurden im Langlauf die Hundertstel wieder abgeschafft.
