Firma Korn baut zwei neue Hallen
Erweiterung in Richtung Wald – Brandschutz fordert Trennung von Lager und Verarbeitung
Albstadt-Ebingen, 26.02.2010 von Dagmar Stuhrmann
Die Erinnerung ist noch nicht verblasst: Am 1. November 2009 vernichtete ein Großbrand die knapp ein Jahr zuvor eingeweihte Sortier- und Aufbereitungsanlage der Recycling-Firma unter dem Malesfelsen. Die Überreste der Halle sind inzwischen verschwunden und es stellt sich die Frage: Wie geht es für die Firma, die laut Homepage rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, weiter?
Der Albstädter Gemeinderat stimmte gestern Abend der Einleitung eines „vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens“ bei einer Gegenstimme zu, um den Weg für den Wiederaufbau und die zusätzliche Halle zu ebnen. Die Brandschutzauflagen fordern eine, wie es in der Gemeinderatsvorlage heißt, „für ein weiteres Bestehen des Unternehmens unumgängliche“ wesentliche Änderung in den Abläufen bei der Firma Korn: Die Firma muss ein von Produktion und Verarbeitung räumlich getrenntes Ersatzbrennstofflager schaffen – deswegen die zusätzliche Halle – und die „Sortiertiefe“ in der neuen Anlage erhöhen.
Somit wird nicht nur die abgebrannte „Halle 3“ wieder an gleicher Stelle aufgebaut. Dahinter entsteht in Richtung Waldrand die neue „Lagerhalle 4“ sowie eine Überdachung zwischen den beiden Hallen auf dem bisher als Lagerfläche genutzten Areal.
Der Bau der zusätzlichen Halle ist durch den bestehenden Bebauungsplan nicht abgedeckt. Die Halle weicht nämlich von den bisherigen Festsetzungen ab – in dreierlei Hinsicht: Sie wird, wegen der Arbeitshöhe der Verladebagger, 15 Meter hoch sein und damit höher ausfallen als es der zulässigen Höhe des derzeit gültigen Bebauungsplans entspricht. Die festgesetzte Baugrenze wird überschritten und die Halle wird dichter an den Waldrand rücken als es die bislang geltende Vorschriftenlage möglich machen würde. „Das Neuvorhaben kommt innerhalb des festgelegten Waldabstands von 30 Metern zu liegen,“ heißt es hierzu in der Gemeinderatsvorlage. Vorabstimmungen mit dem Forst hätten ergeben, dass unter Auflagen eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden könne.
Der neue vorhabenbezogene Bebauungsplan soll laut Verwaltung im beschleunigten Verfahren aufgestellt werden. Die Kosten für die Abwicklung trägt die Firma Korn. Auf Anregung des Landratsamtes werde in dem Bereich anstelle eines Gewerbe- ein Industriegebiet ausgewiesen. Das weitere Verfahren ist laut Bürgermeister Mänder nicht Sache der Stadt Albstadt. Die Baugenehmigung werde in einem emissionsschutzrechtlichen Verfahren durch das Landratsamt abgewickelt. Die Stadt werde jedoch gehört.
Die Stadträte sind im Technischen Ausschuss bereits nichtöffentlich offenbar umfassend über die Planung informiert worden. Die CDU-Fraktion stimmte dem Vorhaben gestern Abend einstimmig zu. „Wir sehen keinen Grund für Bedenken,“ sagte Lambert Maute. Die Freien Wähler hatten ebenfalls „kein Bauchweh“. Die Neubauten dienten schließlich der Optimierung des Brandschutzes, so Markus Schaudt. Die SPD stimmte zwar zu, hatte dabei allerdings „Bauchgrimmen“. Martin Frohme: „Es wäre uns lieber gewesen, wenn die Anlage nicht in dieser sensiblen Lage wiedererrichtet werden müsste.“ Drei Dinge seien wichtig: Sicherzustellen, dass die Gebäudehöhe eingehalten, ein Löschteich ausgewiesen und auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht verzichtet werde. ZUG-Rätin Christiane Kasprik stellte ebenfalls die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Anlage an dieser Stelle.
