Reich und sehr ehrgeizig
Oberliga: Die TSG Balingen gastiert beim mondänen FC Astoria Walldorf
Balingen, 19.02.2010 von Ralph Conzelmann
Im Vorjahr staunten die Balinger Bauklötze: Zwischen all' den Funktionsräumen und VIP-Logen fanden die damaligen Aufsteiger nur schwer den Weg in die ihnen zugewiesene Kabine. Dort endlich angekommen, fragte sich mancher, mit wem der groß dimensionierte Raum wohl zu teilen sei. Um es vorweg zu nehmen: Die TSG durfte die drei Massageliegen und den gewaltigen Sanitärbereich (samt elektrischen Handtuchspendern) alleine nutzen. Und, so nebenbei, nahm der sichtlich beeindruckte Neuling mit einem 2:1-Sieg alle drei Punkte mit.
Man ahnt es: Walldorf ist nicht irgendwer in der Oberliga. Der von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp massiv unterstützte FC Astoria zählt zu den Topadressen in dieser Übergangsklasse zwischen Amateur- und Profitum. Roland Dickgießer, der Ehrenspielführer des SV Waldhof Mannheim und jetzige Trainer des aktuellen Tabellendritten, hat eine illustre Ansammlung hoch talentierter Kicker um sich geschart. Mit anderen Worten: Über kurz oder lang sollte es die Regionalliga sein.
Walldorfs Mittelfeldspieler Bastian Reiners bestätigt dieses Ziel: „Einen Zwang gibt es nicht, aber natürlich würden wir die Runde gerne als Erster beenden“, sagt der 27-Jährige, der als eine der Korsettstangen bei den Badenern gilt. Nur so am Rande: Walldorf, an dem der Softwaregigant SAP seinen Stammsitz hat, gilt europaweit als eine der reichsten Städte und wurde schon mehrfach als wirtschaftlich attraktivste Gemeinde in Deutschland gelistet.
Wohl auch des materiellen Reichtums wegen wird beim FC Astoria mitnichten nur die „Erste“ gefördert. Das Förderteam der U 23 hält in der Verbandsliga den Kontakt zur Tabellenspitze, die Nachwuchsmannschaften spielen durchweg in den höchsten Ligen.
Ein Luxus im Amateurbereich: Die Walldörfer trainieren meist am (späten) Nachmittag, können also auf viele Kicker zurückgreifen, die nicht oder nur teilweise berufstätig sind. Roland Dickgießer scheinen die Bedingungen zu behagen: Vor kurzem verlängerte der Coach seinen Vertrag bis 2012.
Die Verhältnisse bei der TSG Balingen sind freilich andere; was nicht unbedingt heißt, dass es ums Wohlfühlkima schlechter bestellt sein muss. Jedenfalls hat Karsten Maier in der Vorbereitung erkannt, dass er auf seine Jungs bauen kann: „Die Spieler haben sehr gut mitgezogen“, freut sich der Trainer, dessen Team allerdings große Formschwankungen offenbarte. So gelangen in sieben Testpartien nur drei Siege, wobei es sechsmal gegen tieferklassigere Gegner ging. Zuletzt zeigte die Kurve nach oben: Beim Turnier in Neufra/Donau (Platz 1, wir berichteten) zeigten die Balinger sehr ansprechende Leistungen.
Karsten Maier bezeichnet Walldorf als „richtig guten Gegner, der sicherlich nach ganz oben schielt“. Die Elf von Roland Dickgießer beeindruckte auch in der Vorbereitung mit starken Resultaten. So führte der FC Astoria zuletzt gegen den Regionalliga-Titelanwärter VfR Aalen bis zur 83. Minute mit 2:0 (Endstand 2:2). „Das sagt schon einiges aus“, weiß Maier.
Die TSG muss morgen auf Martin Taube (Halswirbelverletzung) und Tim Wissmann (Fieber) verzichten, hat ansonsten aber alle Mann an Bord. Die Austragung der Partie ist übrigens nicht gefährdet.
Ein Hinweis für Schlachtenbummler: Mitfahrgelegenheit im Mannschaftsbus besteht. Abfahrt am Samstag ist um 10.30 Uhr.
