Hauptschul-Klischee trifft nicht zu
Dr. Susanne Pacher vom Regierungspräsidium zeigt sich vom Besuch der Hohenbergschule beeindruckt
Albstadt-Ebingen, 05.02.2010 von Holger Much
Eine ihrer regelmäßigen Visiten in einer der rund 800 öffentlichen Schulen, die die Abteilung „Schule und Bildung“ des Regierungspräsidiums Tübingen betreut, führte Abteilungsleiterin Dr. Susanne Pacher gestern in die Hohenbergschule. Dort lernte sie im Rahmen eines vielfältigen Programmes nicht nur Schule, Kollegium und Schüler kennen. Auch nutzte sie die Gelegenheit, um mit Vertretern des Schulträgers – der Stadtverwaltung –, sowie der hiesigen Wirtschaft zu sprechen.
Ihr Fazit war ein durchweg positives – versehen mit einem altbekannten Wehrmuttropfen: „Ich habe vieles gesehen, was mich beeindruckt hat. Jedes Mal, wenn ich in eine Hauptschule gehe, muß ich immer wieder feststellen: Das Bild, das man von der Hauptschule hat, entspricht nicht der Realität.“
Es herrsche eine herzliche Atmosphäre, man werde freundlich gegrüßt und man spüre förmlich den sorgsamen Umgang miteinander. Beeindruckt habe sie auch die Masse der angebotenen Projekte sowie das Engagement der Schüler, wie das Gespräch mit den Schülervertretern Petrit Krasnici und Marcel Slusalek gezeigt habe: „Hier wie an den Hauptschulen allgemein wird wahnsinnig gute Arbeit geleistet, den Schülern geht es gut – und trotzdem kommt es nicht an“. Das, bedauert Dr. Pacher, sei weiterhin das Dilemma, in dem die Hauptschulen steckten, für das sie auch kein Patentrezept habe.
In Gesprächen mit Vertretern aus dem Bereich der Wirtschaft wurde die immer wichtigere Verzahnung von Schule und Industrie- und Handwerksbetrieben auch im Bezug auf den neuen Werkrealschulstatus diskutiert.
Im Gespräch mit den Kommunalvertretern (siehe Foto) wurde unter anderem die Bedeutung der Schulsozialarbeit unterstrichen. Ob sich das Land in diesem wichtigen Bereich auch finanziell wieder mehr einbringt, das sei allerdings noch in der Diskussion. Bürgermeister Axel Pflanz bat dennoch um mehr Unterstützung.
Schulleiter Georg Mpouras lobte die gute Grundversorgung der Schule, was das Stundendeputat anbelangt. Was den lobenswerten Einsatz von Ehrenamtlichen im Schulbereich betreffe, so dürfe dieser nicht ausgenutzt werden. Falsch wäre es, professionelles Personal abzubauen und deren Arbeit den Ehrenamtlichen aufzubürden. Diese Gefahr, ergänzte Mpouras, bestehe jedoch durchaus bei der Organisation von Ganztages-Betreuungsangeboten.
Bei aller Schulorganisation und Neustrukturierung, betonte Rektor Mpouras, bleibe wichtigstes Ziel Erziehung und Bildung – und für jeden Schüler bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen.
