Zeugen mauern
Schleppende Befragung im Glücksspielprozess
Zollernalbkreis, 05.02.2010 von Klaus Irion
Er ist zäh, der Prozess um illegales Glücksspiel und versuchte räuberische Erpressung, der vor dem Hechinger Landgericht in die vierte Runde ging. Es sind vor allem die Befragungen der Zeugen, die sich schwierig gestalten. Das hat zum einen sprachliche Gründe, liegt aber auch am teilweise mangelnden Erinnerungsvermögen der Geladenen, denen Richter Ernst Wührl und Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Beiter mit dem Verlesen von früheren Aussagen bei Polizeiverhören immer wieder aufs Neue auf die Sprünge helfen wollen. Hinzu kommt, dass die Anklagebank mit sechs Männern gut gefüllt ist. Sechs Angeklagte mit jeweils einem Verteidiger.
Dass fünf der sechs Anwälte aus dem Raum Karlsruhe anreisen und darauf drängen, die Prozesstage möglichst kurz zu halten, tut ein Übriges und erzürnt Richter wie Staatsanwalt gleichermaßen. Ein Zeuge ersparte sich das Kommen ganz, was von Oberstaatsanwalt Beiter mit einer Ordnungsstrafe von 450 Euro, ersatzweise drei Tagen Ordnungshaft, geahndet wurde.
Nach dem Befragen eines weiteren Zeugen verdichtet sich das mögliche Tatgeschehen immer mehr dahingehend, dass die versuchte räuberische Erpressung die Folge von illegalem Glücksspiel samt manipulierten Würfeln war (wir berichteten). Der dabei betrogene Balinger Kneipier soll, so die Angaben eines Zeugen, insgesamt um die 50 000 Euro beim Würfeln verloren haben. Als ihm die Trickserei von einem Eingeweihten gebeichtet worden war, soll sein Bruder aus Karlsruhe mit vierfacher Verstärkung angerückt sein, um einen Teil des verlorenen Geldes zurückzufordern, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft. Ein Zeuge, der in der Balinger Kneipe erpresst worden sein soll, erinnerte sich nur noch bruchstückhaft oder schwieg weil er sich ansonsten womöglich selbst der Mittäterschaft bezichtigt hätte. Bestätigt hat er immerhin, dass einer der Angeklagten ihm gegenüber Sätze geäußert habe wie: „Hast du keine Frau und Kinder?“ Und: „Du weißt ja auch, dass man Menschen schon wegen weniger als fünf Lira umgebracht hat.“
