Sogar im Kino Werbung für die Hexenfasnet

Obernheim, 04.02.2010

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Alljährlich zieht die historische Hexenfasnet viele Hunderte von Zuschauern in ihren Bann.Und dies nicht erst in den letzten Jahren. Die Fasnetumzüge mit dem Hexenprozess haben eine lange Tradition.

Beim Blättern im Zunftarchiv stößt man bereits bei den ersten Nachweisen zur Obernheimer Fasnet auf einen Umzug. In der Pfarrchronik hielt der damalige Ortspfarrer fest, dass die Demokraten einen Fastnachtszug veranstaltet haben. Hierbei wurde das Gewand eines Mönchs und eine Eselsmaske getragen. Diese Geschichte hatte ein wenig rühmliches Nachspiel.

Vor der Gründung der Narrenvereinigung, dem Vorläufer der heutigen Hexenzunft, wurde die Dorffasnet von den Mitgliedern der örtlichen Vereine organisiert und veranstaltet. 1928 hält der Chronist des Turnvereins fest, dass der Umzug ohne Musiker stattfand. Diesen waren bei minus 30 Grad die Instrumente eingefroren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich bereits 1947 einige Obernheimer zusammen, um den alten Brauch wieder aufleben zu lassen. Mit Beginn der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stieg die Fastnachtsintensität rapide an. Die Obernheimer Hexen rührten dazu auch kräftig die Werbetrommel. 1953 fuhren sie mit einem Auto samt närrischer Figur mit einem Schwellkopf aus Pappmaschee durch Balingens Hauptstraßen und luden, mit Megaphon ausgestattet, lautstark zum Besuch der Obernheimer Fasnet ein. In den 60er-Jahren knüpften die Obernheimer freundschaftliche Bande bis nach Oberschwaben. Doch auch aus der nahen Umgebung kamen Umzugsteilnehmer, ob aus Nusplingen oder Musiker aus Bitz. Die Beliebtheit des heimischen Fasnetbrauchtums lockte neben den Zuschauern auch Persönlichkeiten aus dem Land in das meist tief verschneite Obernheim. Berichterstatter der überregionalen Presse wie auch Reporter von Zeitschriften kamen auf die Albhochfläche, um die Hexenfasnet mit ihrem zuweilen schaurig anmutenden Hexenprozess zu beleuchten.

1960 zählte die Hexengruppe rund 50 Hexen mit Holzlarve. Den Umzug bereicherten zu jener Zeit neben einigen Fußgruppen auch Wagengruppen mit jeweils aktuellen Themen des Ortsgeschehens oder gar der hohen Politik.

Erstmals im Jahr 1965 wurde dem Ritter Konradin (von Manfred Vögele verkörpert) eine Burgfrau (Margot Moser) zur Seite gestellt. Beide durften sich auf einem eigens hierfür geschaffenen Wagen mit Burgaufbau den Schaulustigen präsentieren. Der Präsident des Württembergischen Gemeindetags, Bürgermeister Thum aus Korntal war angetan von der Obernheimer Fasnet und hob das Engagement dieser kleinen Gemeinde lobend hervor. Bis zu 3000 Zuschauer säumten in dieser Zeit die Straßen entlang der Umzugsstrecke.

In den folgenden Jahren nahm die Hexenzunft eine enorme Entwicklung. Mehrere Hundert Häser und Masken waren im Besitz der Narren. Es folgte auch bald die Aufnahme der Zunft in die Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. Etwa aus dieser Zeit hat der Verfasser dieses Berichts, damals noch nicht Obernheimer, eine interessante Begegnung mit der Obernheimer Fasnet. Im Kino in Ebingen wurde während der üblicherweise eingespielten Werbeblocks eine kurze Filmsequenz über die Obernheimer Hexenfasnet gezeigt. Auch eine Art der Werbung.

Gewandelt hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte vieles, doch die Fasnet ist bis auf die Neuerungen, entsprechend dem Zeitgeist, dieselbe geblieben. Die angestammte Tradition zeigt sich auch darin, dass beispielsweise der Fanfarenzug aus Wehingen ununterbrochen seit 1976 fester Bestandteil des Umzugs ist. Was sich geändert hat sind die Zugfahrzeuge der Wagen. Waren dies einstmals kleine Schlepper mit zwölf und 15 PS, so sieht man heutzutage fast ausnahmslos Traktoren mit mannshohen Rädern.

Unverändert geblieben ist in den vergangenen 50 Jahren, dass der Fasnetmontag in Obernheim den Kindern gehört. Früher wurden diese am Vormittag zum Umzug abgeholt. Seit schulfrei ist, findet am Nachmittag ein Kinderumzug statt. Betreuerinnen des Kindergartens und die Narreneltern führen beim anschließenden Kinderprogramm Regie.

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