Elternschule aufgelöst
Veränderte Klinikstrukturen setzten dem Verein zu
Balingen, 27.01.2010 von Klaus Irion
In diesem Jahr hätte der Verein „Elternschule“ sein zehnjähriges Bestehen feiern können. Doch soweit wird es nicht mehr kommen. Bereits zum Jahresende 2009 hat sich der Verein aufgelöst, wurde die Elternschule dichtgemacht.
Unter der Ägide des früheren Gynäkologie-Chefarztes Dr. Tibor Horvath hatten sich im Jahr 2000 Balinger Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern und Eltern gemeinsam auf den Weg gemacht, Müttern und Vätern vor und nach der Geburt ihrer Kinder mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sei es durch Informationsabende, Babyschwimmkurse oder schlicht durch einen monatlichen Elterntreff im siebten Stock des Krankenpflege-Wohnheims.
Die ersten Jahre lief alles problemlos, die Kurse – vor allem das Babyschwimmen – wurden sehr gut angenommen, zunehmend fanden auch private Treffs von Eltern mit ihren (Klein-)Kindern in den Räumen der Elternschule statt. Dann aber wurde es zunehmend ruhiger um den Verein. „Eine Ursache war sicherlich der Umzug der Gynäkologie und der Geburtshilfe nach Albstadt“, sagt Barbara Hauser, Hebamme und bis zuletzt Mitstreiterin in der Elternschule. Da half es letztlich auch nicht, dass ebenfalls noch unter der Regie von Dr. Horvath, in Albstadt ein Ableger des Vereins gegründet wurde.
Das endgültige Aus für den Verein kam dann aber mit den Plänen für den Um- und Neubau des Balinger Klinikums. Diese sahen nämlich unter anderem vor, das in den Krankenhaus-Kellerräumen eingerichtete Bewegungsbecken ersatzlos zu schließen. „Gerade aber die von der Elternschule in diesem Becken veranstalteten Babyschwimmkurse waren bis zuletzt der große Renner“, berichtet Hauser. Die Verantwortlichen hätten sich deswegen auch Balingen-weit nach Alternativen umgesehen. Doch die möglichen Kursorte waren – wie im Fall der Lehrschwimmbecken in Schulen – zu allen Ferienzeiten geschlossen oder die Wassertemperatur war nicht hoch genug. „Die Schließung des Beckens im Krankenhauses war quasi das Todesurteil für die Elternschule.“
Zuletzt zählte der Verein noch rund 20 aktive Mitglieder. Den Vorsitz hatte zuletzt der inzwischen auch nicht mehr im Zollernalb-Klinikum tätige, ehemalige Gynäkologie-Chef Peter Riefler inne, den stellvertretenden Vorsitz mit Waltraud Braun eine „Elternschule“-Mitstreiterin der ersten Stunde. Das Vereinsvermögen von rund 9000 Euro wurde jeweils zu einem Drittel der Diakonischen Bezirksstelle Balingen, dem Balinger Frauenhaus und dem Balinger Ableger des Kinderschutzbundes gespendet.
Eltern, die Hilfe suchen, werden in Balingen aber weiterhin ausreichend Angebote finden. Eine zentrale Anlaufstelle ist der Elterntreff im Balinger Generationenhaus in der Filserstraße 9. Hauser verweist aber auch auf Landkreis- beziehungsweise Landesprogramme wie „Frühe Hilfe“, „Kompass“ oder das „Projekt Stärke“.
Aber wer weiß, vielleicht wird eines Tages nach der Rückkehr der Gynäkologie und der Geburtshilfe von Albstadt in die runderneuerten Balinger Klinikräume auch die Elternschule wiederbelebt.
