Der Ton von 1943, die Bilder aus 2007

Balinger Fotografin Ingeborg Kreher erzählt ihre Geschichte in Multivisionsschau am 26. Februar im Loft

Balingen, 12.01.2010 von Karl-Otto Müller

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Es ist die Stimme ihres Vaters aus dem Jahre 1943, gut 400 Kilometer vor Moskau. Siegesgewiss klingt sie. Es sind Bilder der Wolfsschanze. – Und schließlich ihre Reise in ihre Vergangenheit nach Korsika.Ingeborg Kreher packt ihre Erinnerung in eine Bilderschau.

Eine historische Tonbandaufnahme aus dem Jahre 1943 gab ihr den Anstoß. Es war ein Band, wie es damals von den Reichpropagandisten an die Angehörigen der Soldaten in der Heimat geschickt worden war. Persönliche Schilderungen aus ihren Kriegserlebnissen. Als hoher Offizier war der Vater der Balinger Fotografin Ingeborg Kreher, im zivilen Beruf Lehrer in Starkenhofen im Allgäu, damals im Feldzug gegen Russland dabei.

„Euphorisch“, so interpretiert Ingeborg Kreher (Foto) die Worte der Bandaufzeichnung, „drei-, vierhundert Kilometer vor Moskau. An Weihnachten desselben Jahres meinten sie, wieder zu Hause zu sein.“

Heute wissen wir: Es kam anders. Die Geschichte und der Krieg nahmen eine andere Wendung. Und mit den Ereignissen wechselte auch die Stimmung, die Gesinnung.

Mit dem Tonband habe sie begonnen, just im Stauffenberg-Jahr 2008, sich mit dieser Geschichte ihres Vaters noch einmal näher zu befassen.

Wie es sich für eine engagierte Fotografin gehört: Mit der Kamera.

Im Sommer 2007 machte sie sich auf die Reise nach Polen. Ihr Ziel: Die Wolfsschanze. „Ich wollte die historische Stätte sehen, an der Claus Schenk Graf von Stauffenberg das Attentat misslang“, erzählt Ingeborg Kreher. Sie habe nicht nur den Geist Stauffenbergs gespürt, den Geist des Widerstands, der am 20. Juli 1943 auf so schicksalhafte Weise gebrochen worden war, nein, auch den Geist ihres Vaters habe sie gemeint zu spüren, ist die heute über 80-Jährige überzeugt. Alle Momente „dieser Lebensgeschichte meines Vaters“ versuchte sie, mit der Kamera einzufangen.

Sie erinnert sich dann auch der letzten Jahre des Krieges. Die Jahre ihrer Jugend. Keine schönen Jahre. Gerade 19 Jahre alt sei sie knapp einem Erschießungskommando entgangen, sie sei verfolgt worden.

Aber eben auch gerettet. Von einem jungen, ehemaligen Kriegsgefangenen. Einem Korsen, an den sie sich jetzt wieder, auf ihrer Reise in die eigene Vergangenheit erinnern kann .

Und Ingeborg Kreher schmunzelt diskret aber auch etwas verräterisch. Diese Erinnerungen an damals ließen sie im Jahre 2007 eine zweite Reise unternehmen. Natürlich wieder nur mit der Kamera. Ziel: Korsika. „Zugegeben, ich habe den alten Krieger gesucht“, sagt sie.

Eine fantastische Insel habe sie dort kennengelernt. Mit traumhaften Landschaften. Und alle im Bild festgehalten. Natürlich auch die Antworten auf ihre Gefühle und Gedanken, wie diese aussehen? Das verrate ihre neue Multivisionsschau, in denen sie mit den Zuschauern eine Bilderreise durch die Geschichte, durch das Russland des Jahres 1943, durch Polen im Jahre 2007 und schließlich nach Korsika unternimmt.

Gut eineinhalb Stunden lang ist diese höchst persönliche, sicherlich auch historische Schau. Unterhaltsam. Und ganz bestimmt mit jeder Menge Denkanstößen.

Fertig ist das Werk seit Herbst 2008, von der Fotografin selbst am Computer zusammengestellt. Krankheitsbedingt mußte der zunächst vorgesehene Termin im November verschoben werden. Nun möchte sie die Schau gemeinsam mit ihren AV-Freunden am 26. Februar, 19.30 Uhr im Balinger Loft präsentieren.

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