Keine weiteren Sturzbäche

Obernheim will mit Gräben und Rückhaltebecken Gefahr eindämmen

Obernheim, 17.12.2009 von Volker Schweizer

Nicht noch einmal möchte Obernheim von einem Hochwasser heimgesucht werden. Mit einem ausgeklügelten Regenwasserentlastungssystem will man sich gegen eine weitere Katastrophe wappnen.

Der 3. Juli 2009 bleibt wohl vielen Obernheimern mit Schrecken in Erinnerung. In wahren Sturzbächen schoss das Wasser aufs Dorf und überflutete Keller und Häuser. An einem Haus wurde sogar eine Wand eingedrückt.

Bei der Vorstellung der Hochwasserschutzkonzeption am Dienstagabend im Bürgersaal wurden die Regenmengen präsentiert, die mehr als deutlich untermauerten, wie stark Teile der Heuberggemeinde an diesem Freitagnachmittag heimgesucht worden sind: Während zum Beispiel Lautlingen im 24-Stunden-Zeitraum ein Regenaufkommen von 1,8 Liter pro Quadratmeter zu verzeichnen hatte, Schwenningen 13,7 Liter, prasselten in der Silcherstraße in Obernheim innerhalb von 40 Minuten 45 Liter auf den Quadratmeter nieder, „Am Steigle“ sogar 50 Liter.

Im Nachgang sprach man immer wieder von einem 100-jährigen Hochwasserereignis. Doch am Beispiel Bärenthal wird deutlich, dass so eine Katastrophe sich nicht an Zeiten hält. Die Gemeinde im Landkreis Tuttlingen wurde innerhalb von zehn Jahren dreimal von Hochwasser heimgesucht. Deshalb zeigte sich Bürgermeister Georg Maier bei der jüngsten Zusammenkunft verwundert über die doch etwas schwache Resonanz. Denn hier hatten die Betroffenen ausreichend Gelegenheit, sich einzubringen und auch kritische Fragen zu stellen. Von letzterer Möglichkeit wurde rege Gebrauch gemacht.

Bereits im Gemeinderat hatte Diplom-Ingenieur Jürgen Sommer vom Planungsbüro Breinlinger die Hochwasserschutzkonzeption vorgestellt. Im Vordergrund steht, das Wasser um die Gebäude herumzuleiten, und zwar mittels Entwässerungsgräben, die im Durchschnitt ein Meter breit und 60 Zentimeter tief werden sollen. Offene Rohrdurchlässe, die auch Lastwägen passieren können, überbrücken Straßen und Feldwege.

Im Baugebiet Gruben-Ramsäcker will man das Wasser in einem über 500 Kubikmeter umfassenden Regenrückhaltebecken mit einem Notlauf unterhalb des Fohlenwaldes sammeln. Reicht dieses Becken nicht aus, soll ein Versickerungsbecken in Richtung Süden weitere Entlastung bringen. Für den Bereich Bühl sind zwei Varianten angedacht, das Wasser über Entwässerungsgräben gedrosselt in die Kanalisation leiten oder eben auch in ein Rückhaltebecken. Nicht so prekär sah Sommer die Lage im Bereich Widdum. So sieht der Entwurf dort vor, über Auffanggräben den Kohlstattbrunnenbach zu speisen. Mit dieser angedachten Lösung möchte man auch an einen Zuschuss kommen. Denn laut Bürgermeister Georg Maier gibt es wohl nur Finanzspritzen, wenn ein offenes Gewässer in der Nähe ist.

Bei den Becken dürfe man sich keine großen Bauwerke vorstellen, die die Landschaft verschandeln, betonte Sommer. Es handle sich dabei lediglich um groß angelegte Grasmulden. Wo es steil sei, müsse man mit Schotter arbeiten. Allerdings stellte er klar, dass man die Mulden regelmäßig mähen sollte. „Wie früher den Hundsgraben“, schob Gemeinderat Jürgen Moser nach. Seine Befürchtung, dass sich darin mit der Zeit auch Sand und Humus lagern könnten, zerstreute der Planer.

In der Diskussion wurden unter anderem die Standorte und die Größen der Becken hinterfragt. Ein weiterer Aspekt waren natürlich auch die Kosten. Dort, wo man auf Fels stoße, werde es teuer, prophezeite Gemeinderat Reinhold Moser. Jürgen Sommer wollte keine Zahl nennen. Soviel ist aber sicher, die Anlieger müssen sich nicht daran beteiligen. Bürgermeister Georg Maier stellte klar: „Das ist Aufgabe der Gemeinde.“ Er baut darauf, dass das Regierungspräsidium Geld zuschießt. Zusammen mit Vertretern des Wasseramtes Balingen will er in Tübingen vorstellig werden.

Ob der Bürgermeister etwas erreicht hat, ist in der Gemeinderatssitzung am 19. Januar 2010 zu erfahren. Bis dahin sollen auch die überarbeiteten Pläne zur Abstimmung vorliegen.

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