Hier verstehen alle, was ich erlebt habe

ZAK-Weihnachtsspendenaktion: Familientherapeut Th. Bäumer gestaltet die Freizeiten in St. Luzen

Tübingen, 05.12.2009

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Wenn das eigene Kind an Krebs erkrankt, gerät das Familiengefüge aus dem Gleichgewicht. Thomas Bäumer (Foto), Familientherapeut des Tübinger Vereins für krebskranke Kinder, begleitet die Familien von der Diagnose bis in die Nachsorge. Seine Erfahrungen:

„Dem ersten Schock nach der Eröffnung der Diagnose durch die behandelnden Ärzte, folgt in der Regel nach einigen Wochen das Wissen: „Nein, die Ärzte haben sich mit der Diagnose Krebs leider nicht vertan, unser Kind hat eine lebensbedrohende Erkrankung und würde ohne Behandlung auf jeden Fall daran sterben.“

Die betroffenen Familien können sich am Anfang überhaupt nicht vorstellen, wie sie die anstrengende und äußerst belastende Zeit der Behandlung überhaupt bewältigen sollen. Immerhin kann sich die Behandlung bei manchen Krebserkrankungen über zwei bis drei Jahre hinziehen. Im Umfeld der Familie atmen nach Abschluss der Behandlung dann alle auf und formulieren ihre Erleichterung mit den Worten: „Jetzt habt ihr das ja endlich überstanden und der Alltag kehrt wieder bei euch ein.“

Aus Sicht der Betroffenen aber ist „Nichts mehr wie es war – Nichts ist gut und einen normalen Alltag wird es für uns über einen langen Zeitraum so nicht geben, denn die Angst vor einem Rückfall ist unser täglicher Begleiter.“ Und letztendlich ist diese Angst auch nicht aus der Luft gegriffen. Gut ein Drittel der an Krebs erkrankten Kinder stirbt trotz intensiver Behandlungen an ihren Erkrankungen.

„Weil wir wissen, dass die Eltern, Patienten und ihre Geschwister sich nach der Behandlung weiterhin sehr mit dem Thema und ihren Ängsten beschäftigen, möchten wir den Familien auch im Anschluss an die Behandlung weiterhin zur Seite stehen“, fasst Christine Hoffmann vom Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V. den Grund für das Vereinsengagement zusammen.

Im Rahmen dieser psychosozialen Nachsorge bietet der Förderverein verschiedene unterstützende Angebote an, wie Familien-, Patienten-, und Geschwisterfreizeiten. Diese finden seit einigen Jahren zum Großteil im Bildungshaus St. Luzen in Hechingen statt. „Die tolle Lage, die schönen Zimmer und vor allem eine Atmosphäre der Geborgenheit bieten für uns optimale Voraussetzungen für unsere Angebote“, sagt Thomas Bäumer, Familientherapeut beim Förderverein.

Eines dieser Angebote ist eine Wochenendfreizeit für betroffene Familien. „Während der intensiven Behandlungszeit in der Klinik kommen wir eigentlich nicht dazu, über all das nachzudenken,“ hört Bäumer immer wieder von teilnehmenden Eltern. „Aber jetzt, ein Jahr nach Therapieende, kommen die ganzen Fragen hoch und ich spüre diese Angst, die mich immer begleitet. Ich habe noch kein Mittel gefunden, damit umzugehen“, sagte ihm die Mutter des sechsjährigen Lars.

Während der Freizeit in Hechingen haben die Eltern die Möglichkeiten mit anderen Betroffenen darüber ins Gespräch zu kommen. Ihre Reaktionen ähneln sich: „Es ist nicht einfach darüber zu sprechen, das wühlt mich alles ziemlich auf.“ – „Aber ich merke auch, dass mir diese Gespräche gut tun und mich weiterbringen.“ – „Das Verständnis und der Austausch mit anderen Eltern ist für mich beste Unterstützung für meine innere Not.“ So fassen Eltern den Wert der Familienfreizeiten immer wieder zusammen.

Auch die Kinder, sowohl die kranken als auch deren Geschwisterkinder, profitieren von dieser gemeinsamen Auszeit mit anderen, die Ähnliches erlebt haben: „Meine Freunde können nicht verstehen und nachvollziehen, was es heißt, so krank zu sein.“, fasst Jana, 12 Jahre, ihre Erfahrungen zusammen. „Weder meine Freunde noch Verwandte können so richtig damit umgehen. Aber hier auf der Freizeit brauche ich gar nicht viel erklären, die verstehen, was ich erlebt habe.“ – „Wir versuchen die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen in Gang zu halten. Gerade für kleinere Kinder ist schwer, sich ein Bild von dem zu machen, was passiert ist. Deshalb ist es besonders wichtig, ihnen in den Jahren nach der Behandlung „alte“ Geschichten zu erzählen und darüber zu reden, dass es damals eine Zeit gab, in der alle Angst um sein Leben hatten,“ fasst Thomas Bäumer seine Motivation zusammen, diese Angebote im Auftrag des Fördervereins anzubieten und fügt hinzu „Viele Familien erkennen erst Jahre später, wie wichtig diese Form der Auseinandersetzung und Verarbeitung für die einzelnen Familienmitglieder ist.“

Sich erholen und sich mit den belastenden Erfahrungen auseinandersetzen, sind deshalb auch Inhalte der anderen Vereinsangebote im Bildungshaus St. Luzen. Neben Wochenendseminaren für Familien, die ein Kind verloren haben, bietet der Verein seit 13 Jahren Angebote für trauernde Geschwister in Hechingen an. „Ihr seid nicht allein und wir wollen euch auf diesem langen Weg zurück in einen neuen Alltag unterstützen“, das ist wichtiges Ziel des Tübinger Fördervereins, der 1982 von engagierten betroffenen Eltern gegründet wurde.

Zentrum des Vereins ist das Elternhaus, derzeit das Mildred-Scheel-Haus in der Tübinger Justinus-Kerner-Straße. Im November fand der Spatenstich für das neue Elternhaus statt, mit mehr Übernachtungsmöglichkeiten, mit zeitgemäßer Ausstattung.“

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Weitere Infos

Mit unserer diesjährigen ZAK-Weihnachtsspendenaktion wollen wir den Tübinger Verein, dessen Wirken sich weit in den Zollernalbkreis hinein erstreckt, bei der Finanzierung des 1,4 Millionen Euro-Projektes unterstützen – siehe nebenstehende Spenderliste und -modalitäten.

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