„Wenn man glaubt, es trifft nur andere . . .“

ZAK-Weihnachtsaktion: Die Albstädter Familie Haug schildert ihre Erlebnisse, als Sohn Henning an Leukämie erkrankte

Albstadt-Tübingen, 28.11.2009 von Karl-Otto Müller

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Dirk Haug und Ehefrau Sabine Wiedemann-Haug erbaten sich Bedenkzeit: Wollen wir unser Schicksal hier vor allen ausbreiten? – Sie tun es, weil sie damit den Menschen des Tübinger Förderkreises für krebskranke Kinder helfen wollen.

Ihre Absicht: Wenigstens einen Teil dessen zurückgeben zu können, was sie in den vergangenen Jahren an Gutem durch die Vereinsmitglieder erfahren durften. Ihr Sohn Henning war Patient der Tübinger Kinderkrebsklinik. Er ist heute wieder zu Hause, neugierig und ohne irgendwelche Scheu beobachtet er den Gast mit Block und Kamera. Diese fasziniert ihn. Fast so wie Handys, eines liegt gemalt und ausgeschnitten aus Karton auf dem Tisch. Ein anderes ist aus Vollmilch-Schokolade – und sehr vergänglich. Henning ist heute sechs Jahre alt. Seine Augen blitzen, ein aufgewecktes Kerlchen. Seine schwere Krankheit hat er überstanden. Die Ärzte sprechen derzeit von Heilbewährung und sind zuversichtlich.

Die Eltern, Sabine Wiedemann-Haug und Dirk Haug, sind bereit, uns ihr Schicksal zu schildern. Ein Schicksal, das sie Ende 2006 unbarmherzig ereilte: „Wenn man glaubt, es trifft nur andere . . .“ Sie waren im Urlaub in Meran. Hennig war zweieinhalb Jahre alt. Ein aufgewecktes Kerlchen. Und mit einem Male immer wieder und immer öfter krank. missmutig, stets müde, schmerzempfindlich.

Ahnungen keimten bei den Haugs. Und eine konsultierte Albstädter Kinderärztin konnte diese nur bestätigen: „Sofort wurden wir nach Tübingen geschickt – alles ging Schlag auf Schlag. die Tübinger Klinikärzte schockten uns mit der Diagnose: Leukämie.“ Mutter und Kind wurden sofort stationär aufgenommen. Das Ärzteteam um Dr. Hans Scheel-Walter begann auf der Station C 5-West seine Arbeit, die Chemotherapie an dem kleinen Henning.

Diese ersten Erlebnisse in Erinnerung zu rufen, fällt den Eltern sichtlich schwer. Das Leben der kleinen Familie war aus den Fugen geraten. Allenfalls die Arbeit bescherte Vater Haug einen Schuss Normalität. Monatelang führte ihn sein Weg Abend für Abend über die B 27 zur Kinderkrebsklinik nach Tübingen.

Helfende Begleiter in diesen schweren Tagen waren auch für die Albstädter Familie Haug die engagierten Mitglieder des Förderkreises für krebskranke Kinder: Beispielsweise mit ihrer Kaffeerunde – immer dienstags kamen die Helferinnen des Vereins mit Kuchen in die Klinik, luden auch Sabine Wiedemann-Haug ins Elternzimmer ein, an den festlich gedeckten Tisch. Die angenehmeren Erinnerungen des kleinen Henning an seine Tübinger Monate gelten dem Spielzimmer, das der Förderverein einrichtete, den Begegnungen mit der Kindergärtnerin, die der Förderverein für die kleinen Patienten finanziert. Oder auch an die Mal-Pädagogin.

Nicht hoch genug seien die Begegnungen einzuschätzen, die die Fördervereinsmitglieder in ihrem Elternhaus angeboten hätten, erzählen Hennings Eltern. Heute wisse sie die psychologische Arbeit der vom Verein angestellten Betreuer zu schätzen, sagt Sabine Wiedemann-Haug. Die regelmäßigen Treffen mit betroffenen Eltern, mit Gleichgesinnten, der Erfahrungsaustausch – all das wollen beide nicht missen. Viele enge Kontakte hätten sich daraus bis heute entwickelt. Regelmäßig nehmen sie nach wie vor an den Gesprächsrunden mit Vätern und Mütter in Tübingen teil. Das nunmehr vom Tübinger Verein in Angriff genommene Projekt eines neuen Elternhauses wollen beide selbstverständlich mit allen Kräften unterstützen. Für 1,4 Millionen Euro soll ein neues Elternhaus unmittelbar neben der Kinderklinik entstehen. Mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten für betroffene Eltern, deshalb soll das Vorhaben mit Spenden finanziert werden, um auch künftig für die vom Schicksal hart getroffenen Väter und Mütter, für Geschwister kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten.

Weil Henning noch keine drei Jahre alt war, als ihn die schwere Krankheit traf, war Mutter Sabine auf der Station untergebracht worden, ansonsten, so räumt sie ein, hätte sie sehr gerne diese Möglichkeiten genutzt. Mit dem neuen Haus entstehen zwölf attraktive kleine Wohnungen für die Angehörigen, natürlich zeitgemäß mit jeweils eigenen Sanitäreinrichtungen und ebenfalls Gemeinschaftsräume für die Begegnungen der Eltern.

Mit unserer diesjährigen ZAK-Weihnachtsspendenaktion wollen wir die Vereinsmitglieder, die sich aus der gesamten Region Neckaralb rekrutieren, bei der Verwirklichung dieses Projektes unterstützen. An dieser Stelle wollen wir an den nächsten Adventssamstagen den rund 850 Mitglieder zählenden Verein und deren Arbeit vorstellen, wir werden regelmäßig den aktuellen Spendenkontostand nennen (lesen Sie dazu untenstehenden Bericht!) und natürlich die Spender, denen wir im Namen des Vereins, der Eltern und vor allem auch der kleinen Patienten von Herzen Dank sagen.

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