Skandal um Lola Montez, die Mätresse König Ludwigs I. von Bayern
München, 29.04.2002
In Bayern wird das Ministerium der Hoffnung sicherere Bahnen einschlagen können. Der Stern des Anstoßes ist gehoben, die vielgenannte Unbekannte nach mehrtägigen Unruhen ( 9.-11. Feb. 1848 ) aus München entfernt worden. Ihre eigenen Günst- und Schützlinge, die Alemannen, eine Verbindung von Münchner Studenten haben ihren Sturz herbeigeführt. Ihre Kommilitonen nämlich wollten schon länger das Unerhörte, dass Studenten unter das seltsamste Protektorat einer Dame sich stellten, nicht dulden, und es gab zwischen beiden vielfache und ärgerliche Reibungen, zuletzt in der Universität selbst. Die Begünstigten wurden verhöhnt und verfolgt, auch auf den Straßen. Die Gräfin, als sie mitten im Tumult zum Schutze der Ihrigen herbeieilte, wurde von dem aufgebrachten Volk durch Schimpfen, Höhnen, Drängen und Stossen aufs schrecklichste geängstigt und konnte erst nach Stunden mit Mühe von einer Abteilung Gendarmen in Sicherheit gebracht werden. Da erklärt der König durch Befehl die Universität bis nächsten Oktober für geschlossen, alle auswärtigen Studenten sollten binnen 24 Stunden die Stadt verlassen. Unter Studenten und Bürgern rief diese Maßregel die größte Aufregung hervor und sie wurde noch gesteigert, als eine Abteilung Soldaten auf einen Trupp Studenten, die unter Gesang die Straße hinzogen, eindrang und mehre tödlich verwundete. Der Magistrat in „Corpore“ zog nunmehr unter lautloser Begleitung von tausenden in das Residenzschloss und eine Deputation bittet um Zurücknahme der Aufhebung der Universität und um Entfernung der Gräfin Landsfeld (Lola Montez). Nach wenigen Stunden werden beide Bitten gewährt und dem Magistrat wird angezeigt, dass die Gräfin die Stadt verlassen habe.
24. März 1848
Die Folge eines Gerüchtes, dass die Gräfin von Landsfeld sich wieder in München eingeschlichen habe und die in dieser Stadt neu ausgebrochenen Unruhen haben den König von Bayern zu der öffentlichen Erklärung veranlasst: 1. dass die Gräfin v. Landsfeld das bayrische Indigenat (Bürgerrecht) zu besitzen aufgehört habe, 2. dass der bisherige Polizeidirektor Merk seiner Stelle enthoben sein soll, und 3. dass alle Gerichts- und Polizeibehörden des Königreichs angewiesen sein sollen, die besagte Gräfin von Landsfeld, die ihre Versuche die Ruhe der Hauptstadt und des ganzen Landes zu stören, nicht aufgebe, überall, wo man sie finde zur Haft zu bringen, auf die nächste Festung zu schaffen und sofort der richterlichen Untersuchung zu überweisen.
7. April 1848
Die Zeit selbst hat die Ereignisse, die sie hervorgerufen, so schnell aufgezehrt, dass die Abdankung des Königs Ludwig I .von Bayern fast unbeachtet gelassen wurde. Dennoch wirft diese freiwillige Entsagung ein günstigeres Licht auf den abgetretenen König, als selbst manche seiner Regententugenden.
