„Bauer sucht Netz“: DSL muß sein

Breitband wichtiger Standortfaktor – Eher Feldweg als Datenautobahn – Diskussion mit Landrat Pauli

Winterlingen-Benzingen, 06.11.2009 von Bianka Roith

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„Bauer sucht Netz“, zitierte JU-Bezirksvorsitzender Norbert Lins eine Schlagzeile, die das Problem beschreibt: Im ländlichen Raum entspreche die Internetversorgung eher einem Feldweg als einer Autobahn.

Allen Befürchtungen über krank machende Funkmasten zum Trotz: „DSL ist heutzutage ein wichtiger Standortfaktor“, waren sich alle bei der Diskussionsrunde im Gasthaus Sternen in Benzingen einig.

Eingeladen hatten der Bezirksverband der Jungen Union und die Kommunalpolitische Vereinigung der CDU Landrat Günther-Martin Pauli und Michael Reiss, zuständiger Leiter im Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg, um die Lage zu besprechen.

„Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zum zweiten Mal abgehängt werden“, erinnerte Landrat Pauli. Schon bei den Straßen sei man ja nicht sehr verwöhnt. Es sei sehr mühselig, Anbieter für den ländlichen Raum zu gewinnen. Michael Reiss helfe tatkräftig mit, lobte er den Fachmann aus Stuttgart.

Es gebe noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten, erklärte Karl Wolf, Hauptamtsleiter im Landratsamt. Doch das ehrgeizige Ziel lautet: bessere Versorgung. Und an diesem wird beim Landratsamt zusammen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft tatkräftig gearbeitet.

Auch Michael Reiss unterstrich die Bedeutung von Breitband für eine gute Infrastruktur. Denn wenn in einem Ort die Bürger Diskussionen beginnen, weil die eine Straßenseite versorgt ist und die andere nicht, „ist das für den Bürgermeister höchst peinlich und das kann sogar wahlentscheidend werden“. Früher dachte man, der Markt wird’s schon richten.

Doch diese Zeiten seien vorbei, so Michael Reiss. „In der Fläche richtet nicht immer alles der Markt allein. Die Kommunen müssen nun an die Front marschieren, um den Bürgern die im städtischen Bereich üblichen Dinge anbieten zu können.“

Es gelte, den Wettbewerb in der Fläche zu generieren. Dazu brauchte es zunächst einen Breitband- oder Glasfaseratlas, um zu wissen, wo entsprechende Kabel bereits vorhanden sind und wo es Lücken gibt. Dann müsse man mit den Versorgern reden.

„Wenn sich nichts tut, müssen die Bürgermeister aktiv werden.“ So entstehe ein Netzwerk aus Glasfaseranschlüssen, denn die Kupferkabel der Telekom waren laut Michael Reiss nie gedacht fürs Internet, sondern nur zum Telefonieren, weshalb sie auch nicht die entsprechende Leistung bringen.

Die Kommune dürfe erst tätig werden, wenn es der Markt nicht richtet und keine flächendeckende Versorgung vorhanden ist. Doch müsse sich der Bürgermeister technologieneutral verhalten und an den günstigsten Bieter vergeben. Das ist meist der Mobilfunk. „Damit kommt zu drei Bürgerinitiativen eine vierte hinzu.“ Denn gegen Funkmasten laufen die Bürger Sturm.

Die Lösung bringen in den meisten Gebieten Leer-Rohre für Glasfaserkabel. Denn wenn im Rahmen einer Baumaßnahme drei Leer-Rohre gelegt werden, das schaffe Wettbewerb. „Wir brauchen ein Netz, das den Anforderungen der Zukunft gerecht wird.“

Doch könne das Ministerium nicht jeder Kommune eine Einheitslösung verpassen. „Machen wir uns nichts vor: Wir brauchen einen Technologie-Mix. Mobile Versorgung funktioniert halt nur über Funk.

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