Wegbereiter für den Tourismus
Start gestern: „Masterplan“ nimmt Albstadt aus Urlaubersicht unter die Lupe
Albstadt-Ebingen, 05.11.2009 von Volker Bitzer
Albstadt will es wissen: Für 47 000 Euro lässt die Stadt einen „Masterplan Tourismus“ erstellen. Grünes Licht dafür gaben die Gemeinderäte des Verwaltungs- und Finanzausschusses bekanntlich im Oktober. Gestern nun nahm die beauftragte Agentur „Projekt M“ mit Hauptsitz in Berlin offiziell die Arbeit auf. Bestandsaufnahme vor Ort ist dabei zunächst einmal angesagt.
Im gestrigen Pressegespräch stellt Albstadts Kulturamtsleiter Martin Roscher nicht nur den groben Ablauf des „Masterplans“ vor, sondern vor allem die beiden Herren, die sich in den kommenden Monaten intensiv mit Albstadts Möglichkeiten und Stärken bezüglich einer touristischen Erschließung beschäftigen werden: Andreas Lorenz, Geschäftsführer von „Projekt M“, und dessen beratender Mitarbeiter Hagen Melzer. Vor allem letzterer möchte nach einer kurzen Stadtführung gestern Nachmittag gleich heute in die Vollen gehen. Auf dem Sattel seines Mountainbikes. Schließlich ist gerade das Mountainbiken einer der touristischen Trümpfe. Und die Tatkraft Melzers zeigt, worauf bei diesem „Masterplan“ offensichtlich großer Wert gelegt wird: „Wir wollen uns nicht in einer dieser ewigen und theoretischen Leitbild-Diskussionen verlieren, sondern echte Praxiserlebnisse bekommen und auswerten“ informiert Martin Roscher.
Mithelfen soll dabei, auch wenn dies nun wieder ein wenig theoretisch klingt, eine Projektgruppe von etwa acht bis zehn Leuten. Darunter vor allem auch Bürger aus der Stadt, die wiederum verschiedene Interessenkreise vertreten. Sei es nun Wandern, Wintersport, Radfahren, Kultur, aber auch Gastronomie. In so genannten Arbeitsgruppen sollen zudem Themenschwerpunkte abgearbeitet werden. Beispiel: „Wo drückt der Schuh bei der gastronomischen Versorgung der Touristen, was fehlt, was kann besser gemacht werden, wo läuft etwas ganz falsch?“ verdeutlicht Andreas Lorenz mögliche Ansatzpunkte.
Die Agentur wird im nächsten halben Jahr gezielt Leute ansprechen, Albstädter und Albstadt-Besucher gleichermaßen; diese interviewen, aber auch „verdeckt recherchieren“, um wirklich zu ergründen, wo und wie in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Wie das aussehen kann? Konkreter zeigt Hagen Melzer dies mit Fragen am Beispiel Mountainbiken auf. Welche Routen gibt es, welche taugen für Touristen, welche für reine Sportler, welche für Familien mit Kindern, wie ist die Bodenbeschaffenheit, wie sind die Schwierigkeitsgrade, ist das Routensystem in ein Gesamtkonzept eingebunden, ist die Beschilderung gut? Auskunft wollen potenzielle Rad-Urlauber vorab Aspekte wie Bed&Bike, also wie sind die Unterkunftsmöglichkeiten für ihn und seinen Drahtesel? Oder: „Wo kann ich abends meine Radklamotten waschen und trocknen für den anderen Tag“ nennt Andreas Lorenz mit einen weiteren Gedanken.
„Albstadt dürfte wohl tendenziell ein eher jüngeres Zielpublikum haben“ vermutet Hagen Melzer, nach dem, was er bisher über die Große Kreisstadt weiß. Voraussichtlich im Juli 2010 soll sich zeigen, ob er damit Recht behält. Dann nämlich soll der „Masterplan Tourismus“ dem Gemeinderat vorgestellt werden.
Fest steht jedenfalls schon jetzt, dass der Tourist von heute ein ganz anderer ist als jener aus Wirtschafts-Wunderzeiten. Ebenso, dass der typische deutsche Wanderer 2009 vom Typ Akademiker ist, der seine Tour nicht in großen Gruppen à la Albverein, sondern solo oder im kleinen Kreise macht. Das sind keine Vermutungen, sondern Fakten, die auf Untersuchungen des Deutschen Wanderinstitutes fußen.
Dass die Schwäbische Alb in Sachen Tourismus generell Jahrzehnte hinter dem Schwarzwald her hinkt und man hier nicht binnen Monaten aufholen kann, ist allen Verantwortlichen im Rathaus bewusst. Doch vom bislang eher hinteren Platz in der Touristengunst bei den deutschen Mittelgebirgen will man jedenfalls weg. Beispielhaft Hoffnung könnte hier das Erlebnispark-Konzept „Sauerland“ geben, das Lorenz und Melzer als ein geglücktes Modell darstellen, wie eine ganze Region die Tourismus-Stiefel und Sportschuhe erfolgreich schnürt.
