Neues musikalisches Terrain
Hausener Kirchenchor überzeugt mit einem Konzert der ganz besonderen Art
Hausen am Tann, 19.10.2009 von Mirjam Seeburger
Unter dem Motto „160 und kein bisschen leise“ haben die Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Winfried Neher am vergangenen Wochenende ihre sonstige Wirkungsstätte Kirche gegen die Bühne der Hausener Festhalle eingetauscht und als Kontrastprogramm zu ihrem Kirchenkonzert im Frühjahr ein weiteres Jubiläumskonzert mit weltlicher Chorliteratur gestaltet. Unterstützt, begleitet und optimal ins Szene gesetzt von der nahezu brillant aufspielenden Jazz-Funk-Band „Maja“ bot der gemischte Chor ein mit Sorgfalt und Weitsicht zusammengestelltes Konzertprogramm, bei dem vom Swing der 40er und 50er Jahre über alte Beatles-Klassiker bis hin zu aktuellen Welthits für jeden Geschmack und jedes Alter etwas dabei war.
Aber nicht nur von den vielen locker, beschwingt und dennoch überaus professionell vorgetragenen Ohrwürmern ließen sich die Zuhörer in der voll besetzten Festhalle zum Mitklatschen, Mitsummen und Mitschnipsen anregen, vielmehr dürften sich die Kenner des Hausener Kirchenchores von der großen Wandelbarkeit des erfahrenen Chores beeindruckt gezeigt haben. Den maßgeblichen Anteil hieran hat sicherlich Chorleiter Winfried Neher, der seine Sängerinnen und Sänger während den vergangenen 20 Jahren am Taktstock zu einem qualitativ herausragenden Chor geformt hat, der bereit ist, sich neuen Herausforderungen mit Herzblut und Engagement zu stellen.
So zeichneten sich die Hausener Sängerinnen und Sänger am Samstag nicht nur durch das melodisch und rhythmisch akkurate Zusammenwirken beim Vortrag der mehrstimmigen, teilweise äußerst anspruchsvollen Chorsätze und die Genauigkeit beim Zusammenwirken mit der Jazz-Band aus. Erst die Fähigkeit, sich auf die besondere Atmosphäre und den Charakter jedes einzelnen Songs einzulassen und beides musikalisch umzusetzen, ließ den Konzertabend zu einem mitreißenden und stimmungsvollen Gesamtkunstwerk werden.
Außergewöhnliche Akzente gesetzt haben hier ein ums andere Mal die fünf Instrumentalisten von „Maja“, die Stücken wie „New York, New York“, „In the Mood“ oder auch der „Bohemian Rhapsodie“ den letzten musikalischen Feinschliff gaben und den bekannten und teilweise zum Kult gewordenen Melodien die größtmögliche Authentizität verliehen. Neben der Vollmundigkeit und klanglichen Ausgewogenheit des gemischten Chores waren es zudem immer wieder die Gesangssolisten, die dem Konzertabend unverkennbar ihren persönlichen Stempel aufdrückten.
Neben Sofie Murr und der jungen Anna-Lena Neher, die bei „This old man“ ihrer temperamentvollen Stimme keine Grenzen setzten musste, sei hier vor allem Klaus Faulhaber erwähnt. Ganz gleich ob bestechend charmant bei „Just a Gigolo“ oder einfühlsam und sanft bei „Hello“ – ihm gelang es immer wieder, die Songtexte auf seine ganz eigene unverkennbare Art zu interpretieren und seine klare und einprägsame Stimme beim Zusammenwirken mit Chor und Band nahezu optimal zur Geltung zu bringen.
So durfte das am Ende des Abends stehende Stück „Music was my first love“ von John Miles nicht nur das gesamte Konzert, sondern sicherlich auch den Charakter des Hausener Kirchenchors mit wenigen Worten zusammenfassen, denn die Musik mag vielleicht nicht wie im Song beschrieben die erste, dafür aber die ganz große Liebe der Hausener Sängerinnen und Sänger sein.
