Keine Angst vor Wildschweinen

Georg Füss hat sein Herz an die grunzenden Gesellen verloren

Albstadt-Ebingen, 10.10.2009 von Ulrike Zimmermann

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Besonders dann, wenn die possierlichen Frischlinge in ihrem braun-beige gestreiften Fell quiekend im Wildschweingehege umherflitzen, zieht es Jung und Alt in das beliebte Ebinger Ausflugsziel.

Seit der Eröffnung im Oktober 1971 haben Scharen von Besuchern die grunzenden Gesellen besucht. Aus drei Tieren ist inzwischen ein Bestand von rund zwanzig prächtigen Exemplare geworden, die sich auf dem über sechs Hektar großen Waldgelände tummeln.

Aber damit sich ganze Generationen an den Tieren erfreuen können, bedarf es jemanden, der ein Auge auf die Schwarzkittel hat, sie regelmäßig füttert und den Bestand überwacht. Für Georg Füss aus Bitz ist das Wildgehege fast eine zweite Heimat geworden. Seit 1971 ist er täglich außer Sonntags bei „seinen“ Wildschweinen. Damals war er noch im Forst der Stadt Ebingen beschäftigt. Auch nach seiner Pensionierung blieb er den Tieren treu. Auch wenn Wildschweine keine „Kuscheltiere“ sind und persönlichen Kontakt eher ablehnen, spürt man das Vertrauen, das sie „ihrem Menschen“ entgegen bringen. Viel hat der rüstige Pensionär in diesen Jahren schon erlebt. Beispielsweise die Geschichte vom fünfjährigen Keiler Moritz - längst unangefochtener Chef der Rotte -, der als Frischling von Jägern aus Benzingen mit der Hand aufgezogen wurde und so zutraulich war, dass er vor Neugierde in den Rübenkeller fiel. Erst eine aus Rüben gebaute Leiter half dem Tier aus seiner Not. Inzwischen gut 150 Kilo schwer dürfte sich dieses Unterfangen heute wesentlich schwieriger erweisen.

Wildschweine werden oft als böse, aggressive und randalierende Rüsseltiere angesehen. Aber eher das Gegenteil ist der Fall. Wenn um 14 Uhr täglich Georg Füss mit dem Traktor herantuckert, sind sie längst aus ihren Verstecken herausgekommen und warten sehnsüchtig auf ihr Fressen. Respektvoll halten sie Abstand, wenn Georg Füss seinen Eimer mit Hafer, Gerste, Weizen und Kleie ausleert, um dann genüsslich schmatzend darüber herzufallen. Das Futter bezieht die Stadt Albstadt aus der Walkenmühle Hechingen. Ein Frischling verdrückt an Sommertagen ungefähr 1,5 kg, im Herbst und Winter sogar bis zu 3 kg Futter pro Tag. Ein erwachsenes Wildschwein frisst täglich fast 3,5 kg. Im Herbst und Winter wird der Speiseplan durch Futterrüben ergänzt. An sonnigen Sonn- und Feiertagen kommen regelrechte Besucherströme. Leider betrachten manche die liebenswerten Borstentiere als Müllschlucker und gefährden mit Speiseresten deren Gesundheit. Bananen, Steinobst, Äpfel, Kartoffeln oder frischer Salat sind dagegen für sie wie Ostern und Weihnachten zugleich.

Das Schimpfwort: „Du dummes Schwein“ ist übrigens nicht zutreffend. Wildschweine lernen ausgesprochen schnell und können einzelne Menschen unterscheiden. Sie wissen, dass sich in mitgebrachten Plastiktüten oft etwas zu Fressen verbirgt und haben gelernt, dass angeleinte Hunde ihnen nichts anhaben können.

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