Das Bekenntnis zur Kirche als ein revolutionärer Akt
Von der Studentenrevolte zum Katholizismus - Gabriele Kuby erzählt von ihrem persönlichen Glaubensweg - 200 Besucher
Schömberg, 14.10.2000 von Daniel Seeburger
"Die Christen werden Mystiker sein", sagte einmal der katholische Theologe Karl Rahner im Hinblick auf die Zukunft der Religiosität. Mit Gabriele Kuby kam am Donnerstag Abend auf Einladung der katholischen Kirchengemeinde eine moderne Mystikerin in die Stauseehalle.
"Wer sich heute zur Kirche bekennt, ist ein wahrer Revolutionär", begrüßte Schömbergs Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt die rund 200 Besucher in der Stauseehalle. Den Glauben als revolutionären Akt habe Gabriele Kuby erfahren, klärte er auf, bevor die studierte Soziologin, Autorin und Übersetzerin selbst ans Rednerpult trat.
"Beim Mystiker bricht das Bewusstsein durch, dass etwas Grundlegendes mit ihm geschehen ist", schreibt Otger Steggink im "Praktischen Lexikon der Spiritualität". Von ihrem eigenen grundlegenden Wandel erzählte Gabriele Kuby. Geboren in Oberbayern als Tochter des linken Publizisten und Schriftstellers Erich Kuby, studierte sie ab 1964 Soziologie in Berlin. 1967 war sie Mitglied des Allgemeinen Studentenausschusses und mitverantwortlich für die Organisation der Anti-Schah-Demonstrationen.
Auf einer Reise nach Spanien und Marokko habe sie erste spirituelle Erfahrungen gemacht, erzählt Gabriele Kuby. "Das Hören der letzten Beethoven-Sonate" beispielsweise habe sie sehr berührt.
Sie begibt sich auf die Suche nach Gott, forscht in der New-Age-Bewegung nach der Wahrheit. Sie sei in der "Sucher-Szene" gewesen, zusammen mit "Menschen, die überall suchen, nur nicht in der Kirche".
Nach einer tiefen Lebenskrise, der Trennung von ihrem Mann, "begann ich zum allerersten Mal in meinem Leben wirklich zu beten". Sie wendet sich dem Katholizismus zu und findet eine Beziehung zu Maria. Bei ihrer "Bekehrung" habe die Muttergottes eine wichtige Rolle gespielt, erzählt Gabriele Kuby. Ein Schlüsselerlebnis sei der Besuch des Marien- Erscheinungsortes Medjugorje gewesen. Dort habe sie bei einem Priester ihre "Lebensbeichte" abgelegt. Die Umkehr und Reue hat sich bei ihr auch körperlich manifestiert: "Wenn Gott uns berührt, fließen die Tränen".
