Vertrauen ist wichtig
Auch nach 50 Jahren noch die große Liebe
Balingen-Heselwangen, 23.09.2000 von Roland Beck
Ruth und Hermann blicken heute auf ein halbes Jahrhundert Ehe zurück. Zum Fest lassen sie sich von ihren Kindern überraschen.
"Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Ruth Kleinkonrad. "Und das ist bis heute so geblieben", bestätigt ihr Gatte Hermann. Beide sind Heselwanger und haben sich so auch im Ort bei einer Hochzeitsfeier in der Linde kennen gelernt. Bis es aber so weit war, sollten noch einige Jahre vergehen.
Hermann Kleinkonrad wurde nämlich mit 18 Jahren eingezogen und musste als Kriegsgefangener in Alabama Baumwolle pflücken und in Frankreich in einem Bergwerk arbeiten. Ruth Kleinkonrad war zwischenzeitlich in der elterlichen Landwirtschaft eingebunden. Erst 1949, er war gerade seit einem Jahr wieder zu Hause, führt sie das Schicksal zusammen. Im folgenden Jahr fand die Hochzeit statt. "Das ging zwar schnell, aber wir wusste gleich, dass wir zusammen bleiben", schmunzelt die heute 74-Jährige.
Hermann Konrad fand zuerst bei der Engstlatter Schuhfabrik Jetter eine Arbeit, anschließend war er 25 Jahre bei Bizerba tätig.
Nebenbei half er seiner Frau bei der Landwirtschaft. Von Vieh über Felder bis zum Obstanbau - Ruth Kleinkonrad hatte alle Hände voll zu tun. Zudem galt es, die drei Töchter groß zu ziehen. "Wichtig ist Vertrauen und Achtung", erklärt der 77-Jährige das Geheimnis der langen und glücklichen Ehe. "Und das auch ohne Ehering", schmunzelt er. Denn der Ring sei ihm beim Futterschneiden in die Häckselmaschine gefallen. Aber trotz aller Befürchtungen habe das keinen Schatten über die Ehe geworfen.
Mittlerweile sind die Kleinkonrads fünffache Großeltern und zweifache Urgroßeltern. Und natürlich kommen die Kleinen auch gern zur Oma zum Essen oder lassen sich vom Opa von der Schule abholen. Ansonsten geht das Ehepaar seinen Hobbys nach: Lesen und Ausflüge.
Heute wird nun groß gefeiert. Wie, weiß das Jubiläumspaar noch nicht. Die Kinder haben eine Überraschung vorbereitet. Lediglich, dass es zuerst in die Kirche geht und anschließend mit 50 Gästen nach Tieringen in die Berghütte. Den Rest haben nicht einmal die Enkel verraten.
