Wild, wilder, Obernheim

Auch im 70. Jahr der Hexenzunft hat die Fasnetsformel gestimmt – Dorfgeschwätz und Tänze

Obernheim, 16.02.2009 von Volker Schweizer

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Wild, wilder, Obernheim – auch im 70. Jahr der Hexenzunft hat diese Fasnetsformel gestimmt.

Unholda Moserins Gespielinnen legten sogar eins drauf. Sie waren noch ein Tick aufgedrehter als in der Vergangenheit, wohl wegen des Jubiläums. Dieses nahm Zunftmeister René Schatz beim Bunten Abend am Samstag in der voll besetzten Festhalle zum Anlass, in einem launigen Prolog die Höhepunkte der Vereinsgeschichte in die Reihe der weltweit bedeutenden Ereignisse mit aufzunehmen.

Nach der Begrüßung von allerhand Prominenz, darunter Landtagsabgeordneter Hans-Martin Haller, fegten unter den strengen Augen des immer wieder schön anzusehenden Teufels die Besen über die Bühne. Die Obernheimer unter den Masken wussten dabei so allerhand über ihre Landsleute zu berichten. So wurde einer von ihnen beim Joggen von Vögeln angegriffen, für einen anderen vom Tanneck endete der letztjährige Umzug mit blutigem Gesicht und dreckigem Talar.

Ritter Konradin hatte nicht zu viel versprochen, als er meinte, dass man heuer vom Guten nur das Allerbeste präsentiere. Zuerst kündigte der „Thomas Gottschalk der Fasnetsunterhaltung“, Jürgen Moser, das neu formierte Ballett an. Die Mädels unter Leitung von Kathrin Baumgärtner und weiteren Helferinnen tanzten zu den Klängen des Radekty-Marsches, später bevölkerten sie als Wikinger verkleidet das Parkett, stampfend und mit waghalsiger Akrobatik.

Dazwischen wurden Tränen gelacht. Zuerst bei den polnischen Nachbarinnen Olga und Swetlana (Bruno und Andrea Moser), deren Männer meinten, dass „a wiascht Weib d’ beste Zau’ oms Haus isch, no geits koi Ungeziefer“. Dann zogen die Ratschweiber Martha und Wilma (Jutta Schuler und Gaby Bertsch) über das starke Geschlecht her. Manch einer duckte sich verstohlen, als die beiden in den Saal posaunten, eine Glatze sei Striptease auf höchster Ebene. Alex Moser, immer wieder für eine spontane Einlage gut, frotzelte über die neuen Hemden der Zunfträte und nannte die HZO kurzerhand in Holzmichelzunft um. „Mir solltet, 's isch a’ Graußa, in alte Häuser hausen“, scherzte der Obernarr über das MELAP-Projekt.

Alex Russig aus Kleinpösna besang stimmgewaltig, wie es ihm ergangen war, als er zusammen mit seinem Kompagnon Olaf Kerstädt an einer Gartenlaube gearbeitet hat. Dass „Wochenend’ und Sonnenschein“ im Heavy-Metal-Stil besser ankommt als im Original, schlussfolgerten die „Burgbühl-Lerchen“ Achim Schätzle, Hans Wäschle, Jürgen Dreher und Alex Russig am Ende ihrer hörenswerten Darbietung. Der Höhepunkt folgte zu vorgerückter Stunde, „d’Bärbel vom Eyachtal“ (Martin Wäschle). „Sie“ brauchte kein Manuskript, das Naturtalent ließ einen Witz nach dem anderen vom Stapel. Unter „ihrer“ strengen Hand wurden einige in der bunt geschmückten Narrhalla (un-)freiwillig zu Hauptakteuren.

Ja und dann war auch schon Mitternacht, aber noch lange nicht Schluss. Zuerst wurde abermals zu bekannten Gassenhauern, gespielt von der Stimmungskapelle der „Lyra“, den „Lustigen 13“, geschunkelt, dann durften die Besucher selber in Aktion treten. Entweder beim Schwof oder an der Theke in der Bar. Hauptsache nicht mehr sitzen.

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