Steckenpferd Sponsoring
Horst Kemmler (44) will sich dem wirtschaftlichen Bereich widmen
Balingen, 22.04.2000 von Ralph Conzelmann
"Im Großen und Ganzen wird es so weiterlaufen", tritt Horst Kemmler Vermutungen entgegen, dass bei den Fußballern der TSG Balingen nun alles umgekrempelt würde. Doch der neue Abteilungsleiter hat durchaus eigene Ideen - und Visionen.
Anfänglich habe er gezögert, gibt Kemmler unumwunden zu, als ihm die vormalige Abteilungsleitung um Walter Meinlschmidt erstmals darauf angesprochen habe, ob er denn nicht die Geschicke der TSG-Kicker leiten könnte. Nicht, weil Horst Kemmler gebürtiger Ebinger ist - "nach 13 Jahren habe ich Balingen längst lieb gewonnen" - sondern eher, weil der 44-Jährige bislang eher im Hintergrund stand.
Der selbstständige Geschäftsführer der Endinger "Project Management Agentur" - kurz PMA - ist verheiratet und hat zwei Kinder. Eines davon, Sohn Kristian, schlug die Brücke für den späteren "Papa Abteilungsleiter": Seit der F-Jugend spielt Kemmlers Filius bei der TSG, über ihn gelangte Ehefrau Brigitte in den Jugendausschuss - der Vater steht der Abteilung seit deren Versammlung vor zwei Wochen nun vor.
Der neue Mann auf der Kommandobrücke möchte wirtschaftliche Schwerpunkte setzen. "Das Sponsoring muss verbessert und intensiviert werden", hat Horst Kemmler erkannt. Das bedinge, dass Sponsoren nicht als reine Geldgeber betrachtet würden, sondern, dass ihnen etwas entgegen gebracht werde. Denn: "Werbung ist keine Einbahnstraße." Um eine Verbesserung zu erreichen, seien wohl "außergewöhnliche Maßnahmen" von Nöten, meint der frisch-inthronisierte Steuermann.
Gleichwohl: Der sportliche Erfolg solle sich nicht hinter dem wirtschaftlichen einreihen müssen. Im "oberen Bereich der Verbandsliga" wolle man sich etablieren; laut Kemmler "eine gute Sache". Klar sei: Einen Aufstieg um jeden Preis lehne die TSG kategorisch ab. Der Einklang zwischen sportlichem und finanziellem Bereich müsse schließlich gewährleistet sein.
Nicht verhehlen möchte Horst Kemmler, dass ihm der ureigene Sportbetrieb nicht auf den Leib geschnitten ist. Denn: "Außer dem üblichen Hinterhof-Kicken habe ich nie Fußball gespielt." Brauche er auch nicht: Insbesondere in Person von Walter Meinlschmidt, Thomas Lopian und Harald Kraus stünden erstklassige und profunde Kenner der Szene Gewehr bei Fuß. Zufall? Schon eher Teil einer neuen Struktur: "Wir haben die Aufgaben klar und vor allem gleichmäßig verteilt."
Bewährtes freilich wolle man beibehalten - das Hallenturnier um den Sparkassen-Indoor-Cup etwa, die Jugendturniere, den Stand auf dem Weihnachtsmarkt und die sonstigen Aktivitäten der Fußball-Abteilung, die sich in den zurückliegenden Jahren als positiv herausstellten. Auch mit der ersten Mannschaft zeigt sich Horst Kemm- ler zufrieden: "Sie sendet erfrischende Signale und ist intakt. Zur Zeit läuft es doch prima."
Änderungen wird es dennoch geben. Denn Kemmler verschweigt nicht, dass der eine oder andere Kicker eventuell altershalber aufhören werde. Zudem kann er auch im Trainerbereich die Arme nicht in den Schoß legen: Da Uwe Freund seinen Abgang zum Saisonende ankündigte (wir berichteten), glühen derzeit die Drähte. "Wir sind in Gesprächen mit mehreren Kandidaten", läßt sich Kemmler nur sehr unzureichend in die Karten schauen. Eine Lösung werde wohl frühestens in zwei Wochen präsentiert werden. Möglich sei aber auch, dass die Abteilung noch drei bis vier Wochen Zeit brauche.
Ähnlich bedeckt verhält sich Horst Kemmler bei der Antwort auf die Frage nach dem Trikotsponsor für die neue Saison. Da Dieter Witzemanns "DIMAC" ebenfalls aufhört, war man zum Handeln gezwungen. Wer's wird? "Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben", winkt der 44-Jährige ab. Übrigens: Fußball spielt der TSG-Spitzenfunktionär zwar nicht. "Doch dank Aerobic, Tennis und Inline-Skating kommt die Bewegung nicht zu kurz."
Und offenbar hat Horst Kemmler schnell erkannt, dass im Verein Wissen nicht gleichbedeutend mit Erzählen-Dürfen ist. Dem Vernehmen nach sollen sich die Balinger nämlich schon am Mittwoch abend mit einem potenziellen Freund-Nachfolger getroffen haben.
