Albstädter Schüler wollen streiken

Albstadt, 01.02.2019

„Fridays For Future“: Albstädter Schüler wollen streiken

Ein Zeichen für den Klimaschutz: Drei Schülerinnen rufen am 8. Februar zu einem Streik im Rahmen der „Fridays For Future“ auf. Auch an die kommunalen Politiker haben sie klare Forderungen. Mit Kommentar. 

Sie tun es Greta Thunberg jetzt auch in Albstadt gleich. Die 16-jährige Schwedin, die in den vergangenen Monaten durch ihren regelmäßigen Schulstreik und ihre Reden zum Klimaschutz weltweit bekannt wurde, ist ihr Vorbild: Denn nächsten Freitag rufen die Albstädter Vertreter der Schüler- und Studenteninitiative „Fridays For Future“ zu Streiks an Albstadts Schulen auf und organisieren von 9 bis 13 Uhr eine Kundgebung in der Ebinger Marktstraße beim Brunnen.

„Wenn die Politiker ihre Arbeit nicht machen, dann können wir das genauso“, sagt Lara Hölzel, Schülerin am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium. Gemeinsam mit Sima Garanpour und Leonie Luippold initiiert sie die Aktion federführend.

Sie organisieren gemeinsam mit weiteren Schülerinnen und Schülern den Streik in Albstadt (von links): Sima Garanpour (18) , Lara Hölzel (19) und Leonie Luippold (19).
Sie organisieren gemeinsam mit weiteren Schülerinnen und Schülern den Streik in Albstadt (von links): Sima Garanpour (18) , Lara Hölzel (19) und Leonie Luippold (19). Foto: Privat

Schüler der Hauswirtschaftlichen Schule und der Walther-Groz-Schule haben ihnen zufolge bereits zugesagt. Die Initiatorinnen rechnen mit mindestens 30 Teilnehmern. Die Zollernalb-Jusos rund um Lara Herter wollen auch Studenten der Hochschule Albstadt-Sigmaringen mobilisieren.

Klare Forderungen an die Lokalpolitiker

Von der Kommunalpolitik fordern sie, den öffentlichen Personennahverkehr mit erschwinglichen Ticket-Preisen auszubauen. Öffentliche Gebäude sollen mit erneuerbaren Energien beheizt werden und der Gebrauch und Verkauf von Einwegplastikartikeln eingeschränkt werden.

Als Reaktion auf das unentschuldigte Fehlen können die Schulleiter nach dem Schulgesetz auf ein breites Spektrum an Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen zurückgreifen. Der verpasste Unterricht könnte nachgeholt werden, Schüler könnten nachsitzen müssen oder gar von der Schule ausgeschlossen werden.

„Wir sind uns den möglichen Konsequenzen bewusst“, sagt Hölzel, und fügt hinzu: „Aber die Angst vor den Konsequenzen, wenn wir uns jetzt nicht für die Umwelt einsetzen, ist größer.“ Sie will lediglich ihr Abitur nicht gefährden und hofft darauf, dass ihre Lehrer verständnisvoll sind.

Vom Kultusministerium fordern sie mehr Zuspruch und Unterstützung: „Unsere politische Weiterbildung liegt auch in deren Interesse“, sagt Lara Hölzel. „Man spricht von Politikverdrossenheit und wenn die Jugend aktiv wird, werden sofort Verbote verhängt.“

Unklar ist bislang wegen des anstehenden Abiturs, ob die „Fridays For Future“ in Albstadt regelmäßig stattfinden können, sagen die Initiatoren, die auch monatlich gegen den Infostand der AfD in Albstadt demonstrieren. Alternativ verweisen die Initiatorinnen auf die gleichlautende Demonstration in Tübingen.

Lob und Kritik aus der Politik

Wirtschaftsministerin und Landtagsabgeordnete Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) lobt den Einsatz der Jugendlichen auf ZAK-Anfrage: „Es ist toll zu sehen, dass dieses Demokratieverständnis auch bei den Schülern vorhanden ist und sie diese Rechte nutzen. Allerdings haben sie neben diesen Rechten auch Pflichten – darunter die Schulpflicht. Deshalb rate ich dazu, die Demonstrationen nachmittags oder am Wochenende zu veranstalten.“

Auch der SPD-Kreisvorsitzende Alexander Maute bezweifelt, dass es gezielt Schulstreiks benötigt. Der Lehrer schlägt vor, dass die Schulen stattdessen gezielt mit den Schülern an den Aktionen als außerschulische Veranstaltung während der Schulzeit teilnehmen könnten.

Greta Thunberg zeigt, so sagen die Initiatoren, dass auch der Einzelne etwas zum Klimaschutz beitragen kann und die Zukunft in den Händen der Jugendlichen liegt: „Als junges Mädchen mit Asperger-Syndrom ist sie alles, wovor die Trumps und AfD-Politiker dieser Welt Angst haben.“

 

Kommentar: Bleibt unbequem!

Man kann die Lehrer und Schulleiter verstehen: Lehrermangel, Stunden fallen aus, der Lehrplan ist auf Kante genäht – was soll dann noch dieser Streik? Natürlich müssen junge Menschen ihr Bürgerrecht wahrnehmen dürfen.

Auch wenn die schulbesuchspflichtigen jungen Leute kein Streikrecht haben, darf ein solches Zeichen, nein muss es, unbequem sein. Denn der Klimawandel ist ein Thema, das politisch gerne auf die lange Bank geschoben wird – von einer Generation, die diesen Planeten noch überleben wird.

Außerdem wäre die Wirkung und die Debatte um Greta Thunberg und alle Mitstreiter ungleich leiser und unbedeutender, wären es „Weekends for Future“.

Bei allem Respekt für den Einsatz: Der älteren Generation zeigen, dass man sich wehrt, ist schön und gut. Doch jetzt muss sich diese Politisierung der Jugend auch in einer höheren Beteiligung bei den Kommunalwahlen zeigen – gewählt werden darf bereits mit 16 Jahren. Auch den lokalen Gremien würde frischer Wind nicht schaden.

Denn der globale Klimawandel und alle Umweltschutzthemen müssen auch im Regionalen angegangen werden: Seien es Plastikvermeidung, erneuerbare Energien oder das eigene Konsum- und Umweltschutzverhalten. Es wäre doch schade, wenn Kritiker recht behielten und die Schüler die „Fridays For Future“ nur zum Schwänzen missbrauchen.

ZAK-Redakteur Pascal Tonnemacher.
ZAK-Redakteur Pascal Tonnemacher.

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