Politik mit Herz und Kopf

Wilhelm Ruoff und Paul Luppold nehmen ihren Abschied

Balingen, 18.12.1999 von Sibylle Link

Der eine engagierte sich 31 Jahre lang in der Kommunalpolitik, davon 13 Jahre als Ostdorfer Ortsvorsteher, der andere leitete 37 Jahre lang die Geschicke Zillhausens. Nun nehmen die beiden "alten Hasen", Wilhelm Ruoff und Paul Luppold, ihren Abschied. Sie werden in der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag offiziell in den Ruhestand entlassen.
Die Stunden, die Wilhelm Ruoff in der Ostdorfer Amtsstube verbracht hat, hat er nie gezählt. Oft bis in die Nacht und nicht selten an den Wochenenden bereitete er Sitzungen vor, schrieb Protokolle und beschäftigte sich mit den Anliegen der Bürger und Vereine. Und dies alles ehrenamtlich. Denn bis zu seiner Pensionierung war Wilhelm Ruoff in einem Industriebetrieb beschäftigt. Auch wenn Paul Luppold sein Amt hauptamtlich bekleidete, reichte sein Engagement weit über den normalen Dienst hinaus. "Wenn jemand meine Frau gefragt hat, wo ich denn sei, antwortete sie nur: wo wohl, auf dem Rathaus", erzählt Luppold. Dieses Engagement ist für die beiden Kommunalpolitiker selbstverständlich. "Wir wären schlechte Ortsvorsteher gewesen, wenn wir uns nicht so eingesetzt hätten", stellt Wilhelm Ruoff in Übereinstimmung mit seinem Amtskollegen fest. Beiden ist auch eigen, dass sie parteipolitisch nie gebunden waren. "Ich kann den Fraktionszwang nicht leiden", bemerkt dazu Wilhelm Ruoff. Diese persönliche Eigenständigkeit versuchten Paul Luppold und Wilhelm Ruoff auch für ihre Gemeinden zu erhalten. Deshalb blieb nach der Eingemeindung in Zillhausen und Streichen nicht nur die Kirche, sondern auch das Standesamt im Dorf. "Dafür haben wir uns eingesetzt und stark gemacht, bekunden sie gemeinsam. Auch wenn sich damals bei der Bürgerbefragung zwei Drittel der Bevölkerung für eine Eingemeindeung ausgesprochen hatten, sollte das charakteristische Eigenleben erhalten bleiben. "Es war damals keine Liebesheirat sondern eher eine Vernunftehe, aber auch daraus kann Zuneigung entstehen", bemerkt Wilhelm Ruoff rückblickend. Wenn die Ortsvorsteher nun nach so vielen Jahren ihr Amt übergeben, blicken sie nicht ohne Stolz auf eine intakte Dorfgemeinschaft. In Ostdorf ist der Ortskern saniert, die Pläne zur Sanierung der Turn- und Festhalle sind auf den Weg gebracht und die lange geforderten Bauplätze sind nun ebenfalls verfügbar. Wenn Ostdorf 2001 seine 800-Jahrfeier begeht, wird sich eine schmucke Gemeinde präsentieren. In Zillhausen steht die Ortskernsanierung zwar noch an, doch Paul Lupold zeigt sich ebenfalls zufrieden. Viele Projekte wurden in den 37 Jahren seiner Amtszeit realisiert. Die Basis, auf die sein Nachfolger aufbaut ist solide. Fragt man die beiden Ortschaftratsvorsitzenden, ob sie ihr Amt noch einmal übernehmen würden, so tönt es unisono "Ja". Trotz geopferter Freizeit und geopfertem Familienleben hat dieser "zweite Beruf" sie erfüllt. Die Voraussetzungen, um so lange und so erfolgreich im Amt zu sein, haben sie auch beide mitgebracht: Diplomatie und Gradlinigkeit. Ein offenes Ohr für die Bürger und Interesse für das gesellschaftliche Leben des Dorfes. So war Wilhelm Ruoff zwölf Jahre Vorsitzender des Gesangvereins und ebenso lange Wanderwart und Vize beim Albverein Ostdorf. Paul Luppold ist seit 1966 in der baptistischen Gemeinde engagiert. Von 1972 bis 1991 fungierte er sogar als Gemeindeleiter. Auch im wohlverdienten Ruhestand gibt es, wie man sieht, für Wilhelm Ruoff und Paul Luppold noch genug zu tun. Und endlich, darauf freuen sich beide ganz besonders, bleibt genügend Zeit für die Familie.
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