Josef Schell wird offiziell verabschiedet

Am Samstag beim Gottesdienst

Balingen-Roßwangen, 16.12.1999 von Klaus Hahn

Wenn Josef Schell am kommenden Samstag beim Vorabendgottesdienst in der St. Johannes Kirche die Orgel spielt, wird dies offiziell sein letzter Dienst für die Kirchengemeinde als Organist sein.
Nach fast 50 Jahren im Ehrenamt hatte Josef Schell den Kirchengemeinderat schon vor fast einem Jahr gebeten, einen Nachfolger für ihn zu suchen. Zu diesem Schritt haben ihn auch gesundheitliche Probleme gezwungen. Für Pfarrer Ewald Ginter und die Mitglieder des Kirchengemeinderates war es selbstverstän dlich, eine solche Leistung für das Gemeinwohl auch entsprechend zu würdigen. So wird im Anschluß an den Gottesdienst um 19 Uhr in der St. Johannes Kirche ein Stehempfang im Gemeindehaus stattfinden. Als 18-jähriger hat Josef Schell im Jahr 1950 mit dem Orgelspiel zu den Gottesdiensten begonnen. Er hatte zuhause das Klavierspiel erlernt und brachte somit die Grundvoraussetzung für das Spiel der Kirchenorgel mit. Klavierunterricht hatte er bei den Lehrern Maier und Reiner in Weilstetten, sowie beim Vater des damaligen Ortspfarrer Dobler erhalten. Mit dem Lehrerehepaar an der Roßwanger Grundschule, Roswitha und Manfred Kessler, fand er dann beim Orgelspiel weitere Unterstützung. Eine richtige Organistenausbildung hat er nie bekommen, erinnert sich Josef Schell, so hat er sich eigentlich alles selbst beigebracht und im Laufe der Jahre immer wieder auch neues ausprobiert. Erst viele Jahre später hatte ihn einer der Roßwanger Pfarrer, die er während seiner Organistenzeit musikalisch begleiten durfte, beim Rottenburger Amt für Kirchenmusik gemeldet. Besonders reizvoll war es für Josef Schell immer, wenn er Gelegenheit bekam, auch auf anderen Kirchenorgeln spielen zu dürfen. Bei Ausflügen der Familie, des Kirchenchores, später bei Studienreisen oder heute bei Urlaubsreisen mit seiner Frau ergaben sich solche Momente. Gespielt hat er auf der Orgel in der bekannten oberschwäbischen Barockkirche in Steinhausen, zweimal in Rom und in zahlreichen anderen Kirchen. Zuhause hat bei Familie Schell im Jahr 1977 eine moderne Heimorgel das Klavier abgelöst. Und inzwischen ist es nicht nur Josef Schell der an diesem Instrument Freude hat, denn neben den drei Töchter freuen sich die sechs Enkelkinder bei jedem Besuch darauf, selbst das Klangspektrum dieses Instrumentes zu erforschen. Dort komponierte und bearbeitete Josef Schell in den vergangenen Jahren auch schon so manche Ouvertüre oder auch Zwischenspiel, das dann zum feierlichen Ein- oder Auszug oder während der Sonntags Gottesdienste erklang. Viele Gottesdienste hat Josef Schell während seiner Organistenzeit begleitet und manches Erlebnis ist damit verbunden. Eines davon ist der ganzen Familie gut in Erinnerung, denn bei der Doppelhochzeit seiner beiden Töchter Gabi und Jutta war die vereinbarte Vertretung nicht erschienen. Spontan mußte also er als Brautvater ran, denn sonst wäre an diesem Tag die Orgel stumm geblieben. Über 16 Jahre war Josef Schell auch im Kirchengemeinderat und bekleidete davon eine Amtsperiode lang das Amt des zweiten Vorsitzenden.
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