"Den Übergang gestalten"

Pfarrer Franz Nagler: "Er hat dem Posten die Form gegeben"

Balingen, 13.12.1999 von Karen Annemaier

Herzliche Worte im Überfluss fanden die Redner am Freitag beim offiziellen Abschied des Dekanatsreferenten Michael Fischer. Während der letzten sechs Jahre hat er die Stelle als erster ausgefüllt. Zugleich wurde Hans-Jürgen Guth in sein Amt eingeführt.
Er habe nie Verantwortung und Person getrennt, lobte Franz Nagler am Freitag den scheidenden Michael Fischer. Der Dekanatsreferent habe sich nie auf "einer Meta-Ebene der Organisation" bewegt, sondern als Person, als Freund, als Mitglied einer Basisgruppe Stellung bezogen. Als Fischer im Februar 1992 nach Balingen kam, habe er dem Posten des Dekanatsreferenten, die gerade neu geschaffen worden war, die Form gegeben. Als Mittler zwischen Dekanat und Pfarreien und unter den einzelnen Gemeinden agierte er. Er organisierte Bildungsfahrten, Seminare, die Ausbildung der Wortgottesdienstleiter und gründete das Dekanatsblatt, dessen Redaktion er zugleich übernahm. Vor allem aber habe Michael Fischer, so Franz Nagler, "mich weiter vorangetrieben, wenn mir die Luft auszugehen drohte." Es sei diese persönliche Spiritualität, Leben und Arbeit vom Evangelium her zu verstehen, die die Kirche und die Diözese brauche. - Ein leiser Vorwurf, den Monsignore Domkapitular Franz Glaser mit sonorer Stimme verwarf: "In Rottenburg ist Offenheit an der Tagesordnung". Anschließend lobte er Michael Fischers Engagement als eine "Arbeit, die nicht genug zu würdigen ist." Die Arbeit in Balingen habe ihn verändert und geprägt, sagte der in einer kurzen Ansprache. Sein Motto sei dabei ein Satz von Paul Zulehner, "nicht den Untergang verwalten, sondern den Übergang gestalten" gewesen. Die Erfahrungen, die er in Balingen gemacht -, die Beziehungen, die er hier geknüpft habe, helfen ihm bei seiner neuen Tätigkeit - bei der Hospitalgesellschaft der Franziskanerinnen in Münster - denn auch hier habe er einen Umwandlungsprozess zu koordinieren. Hier wie dort komme er immer wieder zu der Erkenntnis "die Kirche ist besser als ihr Ruf." Dekan Walter Klink überreichte einen Amonit aus dem Schieferbruch als Abschiedsgeschenk "zur Erinnerung an uns Älbler", erklärte er. "Für einen Kirchenrechtler ist er sehr unkompliziert", stellte der Dekan anschließend augenzwinkernd Fischers Nachfolger Hans-Jürgen Guth vor. Der promovierte und habilitierte Theologe, der aus Trier stammt und die letzten Jahre am Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät tätig war, hat sein Büro in Balingen Anfang November bezogen (wir berichteten).
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