Von der Schulbank ins Filmstudio: Kleinste war der Größte

Der siebenjährige Andreas Widmann gibt sein Debüt als Filmstar

Balingen, 07.12.1999 von Sibylle Link

Christiane Hörbiger, Karoline Eichhorn, Sylvester Groth und Andreas Widmann, so liest sich das Staraufgebot für den jüngsten Films des bekannten Regisseurs und Adolf-Grimme-Preisträgers Christian Görlitz. Wie der siebenjährige Andreas Widmann aus Endingen zu seiner Rolle in dem hochgelobten Spielfilm "Der Preis der Sehnsucht" kam, den die ARD am 15. Dezember um 20.15 Uhr ausstrahlt, das ist eine ebenso fast filmreife Geschichte.
Eine kurze Notiz in der Stuttgarter Zeitung. Gesucht wurde von einem Casting-Büro ein junger, blonder Junge, der akzentfreies Hochdeutsch spricht. Der Vater, Bernd Widmann, hat's gelesen und zuhause davon erzählt. Mehr aus Spaß sinnierte die Familie, dass Sohn Andreas eigentlich allen gewünschten Anforderungen entsprechen würde. "Au ja, Papa ruf doch mal an", überzeugte schließlich der Sprössling die anderen Familienmitglieder. Nach dem Anruf folgte der Fototermin, danach ging die Familie in den Skiurlaub. Der Fototermin war schon fast in Vergessenheit geraten, schließlich wurden außer Andreas noch 300 andere blonde, Hochdeutsch sprechende Buben abgelichtet. Doch dann klingelte das Telefon - Andreas sollte nach Stuttgart kommen. In die engere Auswahl kamen zwei Kinder. Nachdem Andreas eine kleine Rolle gespielt und ein paar Sätze gesprochen hatte, fiel die Wahl auf ihn. Eher skeptisch denn erfreut verfolgte Mutter Tanja diese Entwicklung. Klar war für sie, dass sie ihren Sohn zu den Dreharbeiten begleiten wollte, dies war auch ihre Forderung bevor der Vertrag unterzeichnet wurde, und die Schule musste einverstanden sein. Dann konnte es losgehen. Andreas Widmann bekam vor Ort einen eigenen Chauffeur und eine eigene Betreuerin zugeteilt. Gedreht wurde in Stuttgart und Pforzheim. Die Drehtage waren minutiös geplant, in sechs Wochen sollte der Film abgedreht sein. Auch wenn Andreas eigentlich dachte der Film wäre so ähnlich wie "Kevin allein zu Haus", wurden seine Erwartungen dennoch nicht enttäuscht. "Die waren alle sehr nett und der Sylvester Groth hat in den Pausen immer mit mir gespielt", berichtet Andreas. Seinen Text hat er mit seiner Mutter gelernt. "Das war nicht so viel", meint er. Auch wenn mache Szenen bis zu hundert Mal gedreht werden mussten, wurde es Andreas nicht langweilig. Nur eine Szene hat bei ihm nicht auf Anhieb geklappt. "Da sollte ich ein trauriges Gesicht machen, aber immer wenn ich ein trauriges Gesicht machen soll, sieht es so aus als ob ich lachen würde", erinnert er sich. Toll war für Andreas auch, als er im Film mit Sylvester Groth Indianer spielte. Die Fransen- Lederweste durfte er zur Erinnerung behalten. Und spannend war die Schlüsselszene. "Da musste ich von einem Dach gerettet werden". Außer seinen Eltern und seiner Schwester Anna haben ihn bei den Dreharbeiten auch seine Mitschüler/ innen mit seiner Klassenlehrerin Eva Niemeyer besucht. "Das war toll, dass die Schule voll dahinter stand", freuen sich die Widmanns. Zum Abschluss des Films lobte Regisseur Christian Görlitz: "Der Kleinste war der Größte". Klar, dass Andreas Widmann mal wieder in einem Film mitspielen möchte - "Am liebsten in einem Western".

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