Ein Rockquartett zieht in seinen Bann
750 Zuschauer im Festzelt - Precious Time mußte absagen - Hypothermix sprang ein
Balingen-Engstlatt, 23.05.1998 von Armin Schulz
Festzelt mit Sogwirkung: Die Engstlatter Rocknacht am Donnerstag abend zog 750 Zuschauer zuerst an und dann in ihren Bann.
Andere Veranstalter dieses Musikgenres hätten sich angesichts der Resonanz die Hände gerieben - die Engstlatter Organisatoren nahmen den Andrang freudig zur Kenntnis und atmeten erst einmal kräftig durch. Hatten doch tiefe Sorgenfalten ihre Gesichter gezeichnet, noch bevor der erste Gitarrenriff dieses Spektakels, das vom ZOLLERN- ALB-KURIER präsentiert wurde, überhaupt erklang.
Der Grund war die Absage der Band Precious Time, die sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Coverband der Extraklasse erworben hat. Deren Bassist ereilte das gleiche Schicksal wie Keith Richards von den Rolling Stones: Knochenbruch und als Folge dessen die Zwangspause.
Für die Meister des Coverns sprang die Balinger Newcomerband Hypothermix ein. Jochen Binder (Schlagzeug), Miriam Häfele (Bass), Jens Leven (Gitarre) und Michael Gern (Sänger und Gitarrist) - alle um die 18 Jahre alt - ließen das Nachspielen anderer Lieder fast außen vor. Sie bliesen melodiösen und kernig vorgetragenen Rock durch die Boxen in die Festzeltmitte.
Shout - das war an diesem Abend das Synonym für Rock 'n Roll pur: Gitarren, Schlagzeug und Gesang lauteten die drei Bausteine, mit denen das Quintett um Sänger Rainer Nasahl traditionellen Hardrock hervorzauberte. Ob balladesk oder beinahe in den Heavy-Bereich driftend, Shout ließ eine Breitseite musikalischer Art auf das Publikum los, das die Zuhörer zum Erschüttern brachte.
Powerrock vom feinsten
Mittlerweile nicht mehr von der Bühne - egal ob im Festzelt oder in der Halle - wegzudenken sind Agent Orange und Subway. Die erstere tourt seit beinahe 20 Jahren durch die Gegend und bestach auch dieses Mal wieder durch kernigen Hardrock, der immer mehr Heavy-Elemente vorzuweisen scheint.
Nicht wenig Anteil an diesem Stil hat Sänger Udo Welz, der mit druckvollem und engagiertem Gesang in allen Tonlagen seine Band nach vorne peitscht und dabei in den beiden neuen Gitarristen Andy Vlastnik und Ede Schubert Musiker zur Seite hat, die eine gelungene Ergänzung zu ihm darstellen - auch wenn technische Probleme bei den ersten Stüken diesem Eindruck entgegenzuwirken versuchten.
Wirkungsvoll und in alter Manier überzeugend: Subway. Zu den einzelnen Bandmitgliedern braucht man nicht viel sagen. Sie beherrschen ihr Handwerkszeug bis in die kleinste Fingerkuppe. Egal ob Sänger Francis Soto oder Bemy Bitzer an der Gitarre - Subway war perfekt wie immer, aber auch schon lustvoller.
