Ein Selbstversuch fordert heraus
Drei Mädchen aus Frommern stehen hinter den Kulissen ihren Mann
Balingen-Frommern, 11.08.2007
Was ist zu tun, wenn man den eigenen Stamm zum ersten Mal nicht auf das eigene Lager begleiten kann? Ganz klar: Man sucht sich eine spannende Alternative. Das dachten sich auch Jutta Butz, Katja Godawa und Helen Weidelich aus dem Stamm der DPSG Frommern und meldeten sich als Staff, also als Mitarbeiter, für das Landesjamboree in Bruchsal. So machten sie sich auf den Weg, um für eine Woche die Organisation und Arbeit hinter einem Großlager mit über 6000 Teilnehmern kennen zu lernen. Der Anlass war das 100-jährige Bestehen der weltweiten Pfadfinderbewegung.
Auf dem Landesjamboree war die Hilfe vieler Menschen nötig: Bereits vor dem eigentlichen Beginn wurden Großzelte aufgebaut, in denen unter anderem Check-In, Bürgerbüro, Arbeitsamt und Pressezentrum untergebracht werden mussten. Während des eigentlichen Lagers mussten Programme, Aktionen und Großveranstaltungen betreut und die Großbühne technisch versorgt werden. Dazu kamen „Nebensächlichkeiten“ wie Lagerpost, Brennholzbeschaffung, Reinigung von Duschen, Waschstellen und Toiletten, Abwasserentsorgung, Belieferung mit Nahrungsmitteln und Material, Beratung und Unterstützung der Teilnehmer in allen Fragen. Weitere Felder waren Kooperation mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, die Platzsicherheit im Allgemeinen und schließlich auch die Betreuung der Mitarbeiter.
Arbeit geht ja bekanntlich nie aus, und das sollten auch die drei Frommerner schnell feststellen. Als eingeteilte Springer wurden sie für verschiedene Arbeiten herangezogen. Die meiste Zeit waren sie für die Platzsicherheit (kurz PSI) eingeteilt. Ausgerüstet mit gelber Warnweste und Funkgerät (und manchmal auch mit einem Müllsack) drehten sie in vier Schichten Tag und Nacht ihre Runden über den Platz, mit der Aufgabe, Notfalltelefone und Feuerlöscher zu überprüfen, Stämme über Sturmwarnungen zu informieren, verirrte Kinder zu ihren Stämmen zurückzubringen, Besuchern den Weg zu weisen, nächtliche Ausschweifungen einzudämmen und sonst zu helfen, wenn Not am Mann war. Auch die Torwache war ein Teil dieser Arbeit, sie befand sich auf der Hauptzufahrtsstraße und kontrollierte den Verkehr in das Lager.
Außerdem unterstützten die drei auch einmal die Nachtschicht im Bürgerbüro, an das man sich in allen Fragen wenden konnte, ähnlich dem Bürgerbüro der Stadt. Dann wurden Gäste aus der Stadt mit dem eigenen Fuhrpark abgeholt oder bei Großveranstaltungen Wasser an die Teilnehmer verteilt.
Um sich auf die Arbeit konzentrieren zu können, wurden die rund 400 Staffs kulinarisch unterstützt. Es gab eine eigene Staff-Kantine, die drei Essen am Tag servierte und für die Nachtwachen Essen in einem Kühlschrank bereithielt. Das „Arbeitsamt“ bot zudem den ganzen Tag über Kaffee, Obst und Gebäck an, was die Motivation zusätzlich steigerte.
Als ob die Dimensionen des Lagerplatzes nicht schon beeindruckend genug gewesen wären, war es gleichzeitig faszinierend, Menschen unterschiedlichster Couleur aber mit gleicher Motivation kennen zu lernen. Zudem freuten sich die drei Frommerner, auf dem Platz auch den Stamm Balingen zu treffen.
Nach einer Woche Arbeit auf dem Landesjamboree schmerzten die Füße zwar heftig, aber Herz und Kopf waren gefüllt mit neuen Eindrücken und Bildern, die übrigens auf der Homepage www.dpsg-frommern.de zu finden sind. Auch wenn nicht alles glatt gelaufen ist – und bei so vielen ehrenamtlichen Helfern kann man davon ausgehen – war die Stimmung unter den Staff sehr gut und hat sich hoffentlich auch auf die Teilnehmer übertragen. Die drei Frommerner Mädchen jedenfalls wissen, dass sie noch ihren Enkeln vom Landesjamboree 2007 in Bruchsal erzählen werden. KATJA GODAWA
