Der Mann an den Schaltern
Der technische Leiter der Stadtwerke blickt auf 28 bewegte Jahre
Balingen, 22.10.1999 von Sibylle Link
Ob defekte Stromleitungen, Stromausfall, Rohrbrüche oder verunreinigtes Wasser, als technischer Leiter der Balinger Stadtwerke war Karl Stadtmüller 28 Jahre lang rund um die Uhr Ansprechpartner für diese Belange.
"Das Telefon steht schon lange neben meinem Bett", erzählt Karl Stadtmüller, der diese Gewohnheit sicherlich auch beibehalten wird, wenn er Ende des Montas seinen Ruhestand antritt. Und während der 28-jährigen Tätigkeit, zunächst als stellvertretender technischer Leiter der Stadtwerke und seit 1981 als Leiter, hat das Telefon oft geklingelt. Freundlich und besonnen blieb der Werkleiter auch dann noch, wenn nachts um drei ein Mitbürger die kaputte Straßenlampe monierte. "Bei solchen Lapalien habe ich die Anrufer beruhigt und am kommenden Tag die Reparatur veranlaßt."
Das Aufgabenfeld Karl Stadtmüllers beschränkte sich jedoch bei weitem nicht auf die Entgegennahme nächtlicher Telefonanrufe. Der gelernte Elektriker und Ingenieur, der 1972 zu den Balinger Stadtwerken kam, hatte sich um alles zu kümmern, was mit Technik zu tun hat: Von Stromleitungen über Blockheizkraftwerke bis zum Hallenbad und Wasserrohrleitungen.
Als Karl Stadtmüller seine Tätigkeit in Balingen übernahm, lag die Kapazität der Balinger Stadtwerke bei 30 Millionen Kilowattstunden im Jahr, heute sind es 156 Millionen. Als einschneidende Veränderung in seinem Arbeitsleben bezeichnet Karl Stadtmüller die Gemeindereform. Nach der Reform übernahmen die Stadtwerke das gesamte Wasserversorgungsnetz und auch das Stromversorgungsnetz umfaßt seit zwei Jahren die Gesamtstadt.
Der neuen wichtigen Zäsur für die Balinger Stadtwerke, der Liberalisierung des Strommarktes, steht der technische Leiter eher gelassen gegenüber: "Die Situation wird sich in den nächsten Jahren beruhigen", meint der scheidende Werkleiter. Sicherlich werde sich einiges verändern und ein Stadtwerkeausschuss sei dringend notwendig, um die notwendige Flexibilität zu gewährleisten. Dass jedoch, wie befürchtet, von den 950 Stadtwerken nur 150 übrig bleiben sollen, "das glaub ich nicht", so Karl Stadtmüller. Den Stromkunden empfiehlt er, wenn sie zu neuen Stromlieferanten wechseln wollen, auch das Kleingedruckte genau zu lesen. Denn "es sind viele unseriöse Anbieter auf dem Markt", so sein Eindruck.
Heute Abend feiert der scheidende technische Leiter seinen Abschied bei den Stadtwerken. Bis zum Ende des Monats wird er jedoch seinen Dienst noch antreten. "Mit einem weinenden und einem lachenden Auge" blickt er dem Ruhestand entgegen. Bis vor kurzem war Karl Stadtmüller ehrenamtlich im aktiven Dienst des Roten Kreuzes tätig, doch aus gesundheitlichen Gründen mußte er "sein Hobby", wie er sein Engagement bezeichnet, aufgeben. Nun bleibt mehr Zeit für die Familie. Vor allem auf die Enkelkinder freut sich Karl Stadtmüller.
