Balingens Charme auf die Leinwand gebannt
Die Natur ist Vorbild für seine Bilder
Balingen-Dürrwangen, 16.10.1999 von Nicole Schwenzer
Zwischen Bildern von Wiesen, Wäldern und Weiden aus der Hand des Dürrwanger Kunstmalers Jürgen Hess zieht seit kurzem ein ganz besonderes Werk Blicke auf sich: Ein Porträt von Balingen.
Bei seiner Malerei lässt sich der Künstler stets von seiner Umgebung inspirieren. "Ich versuche, den noch vielerorts anzutreffenden spontanen Charme eigenwillig gewachsener Natur und Landschaft in einer der natürlichen Schönheit angemessenen Art festzuhalten", erzählt er. Bei seinem Balinger Stadtporträt ist ihm dies in beeindruckender Weise gelungen.
Elliptisch eingerahmt von grünen Tannen im Vordergrund und der Silhouette des Binsenbols im Hintergrund ragt der Turm der Stadtkirche über die von der Abendsonne angestrahlten, ziegelroten Dächer der Kernstadt.
Die Idee, ausgerechnet Balingen auf seiner Leinwand festzuhalten, kam dem jungen Künstler durch Zufall: "Bei einem meiner seltenen Spaziergänge auf dem Heuberg überraschte mich der recht malerische Blick auf meine Heimatstadt, wie sie so eingebettet dalag, vor den umliegenden Bergen der Schwäbischen Alb", erinnert sich der Kunstmaler.
Den Eindruck, den er damals von seinem Spaziergang mit nach Hause nahm, verarbeitete er in rund 100 Stunden zu einem 65 auf 95 Zentimetern großen Gemälde. 100 Stunden, die er konzentriert in seinem Atelier zubrachte und Balingen Stück um Stück in Öl auf das gespannte Leinen bannte. "Fünf bis sechs Stunden am Stück kann man malen", berichtet er. "Vor allem der Anfang ist jedes Mal schwer. Geht man über seine Grenzen, malt man völlig befreit", fügt er lächelnd hinzu.
Die Fähigkeit, Natur so eindrücklich darzustellen, hat sich der Dürrwanger selbst erarbeitet. "Ich entwickelte ganz unverbildet meinen eigenen Stil", erklärt er. Die Ölfarbe wird dabei in Punkten auf die Leinwand aufgetragen", erläutert er, "dadurch werden starre Strukturen aufgelöst und wirken weicher". Zum Pointillismus, mit dem seine Art zu malen oft verglichen wird, bestehen mehrere Unterschiede, insbesondere im System der Farbkomposition. Er bezeichnet seine Vorgehensweise als "point art".
Ab dem 21. Oktober wird das Gemälde in Balingen, im Schaufenster des Brautmodengeschäfts "Lady" zu sehen sein, mittlerweile gibt es das "Porträt von Balingen" auch als Postkarte in den Balinger Buchhandlungen. "Ich empfehle jedem Betrachter, das Bild unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen", schmunzelt Jürgen Hess.
