Weizen fürs Heizkraftwerk

Gebhard Fürst referiert vor rund 100 Landwirten

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Schömberg, 07.12.2006 von Daniel Seeburger

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Lässt sich "Heizen mit Weizen", wie es ein Diskussionsteilnehmer etwas flapsig auf den Punkt brachte, mit der christlichen Ethik verbinden? Bischof Dr. Gebhard Fürst versuchte gestern, die Frage beim Landwirtschaftlichen Versuchsring in der Waldschenke zu klären.
Es war der wohl hochkarätigste Referent, den der Landwirtschaftliche Versuchsring Rottweil-Balingen bisher bei einer Vortragstagung begrüßen konnte. Nachdem der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst im vergangenen Jahr einige Höfe im Raum Rottweil besucht hatte, sagte er spontan zu, ein Referat beim Versuchsring zu halten.

Dabei stellten sich die wirklich aktuellen Fragen für die Landwirte erst nach dem knapp einstündigen Vortrag des Bischofs. "Wird der Landwirt zum Energiewirt?", wollte ein Diskutant von Fürst wissen, "und wie steht die Kirche zur Nutzung von Getreide in Biogasanlagen". Der Bischof zeigte sich skeptisch. "Das ist eine sehr knifflige Frage", antwortete er. Für die Kirche sei die Eucharistie "die Begegnung mit Jesus Christus selber im Brot". Er verwies auf die Kulturgeschichte des Korns und auf den Symbolwert des Getreides. "Ich empfinde gegenüber hochwertigem Getreide große Ehrfurcht", so Fürst, "Weizen ist deshalb für mich nicht in erster Linie Energieträger für die Energiewirtschaft". Wenn es möglich sei, ohne die Nutzung von Energie aus hochwertigem Getreide auszukommen, würde er diese Möglichkeit bevorzugen, führte der katholische Würdenträger aus. Denn wenn die hohe Symbolik des Weizenkorns verloren ginge, sei das durch einen materiellen Zugewinn nicht zu rechtfertigen.

Dabei sprach sich Gebhard Fürst nicht grundsätzlich gegen eine Nutzung von Getreide zur Energiegewinnung aus. Es sei nicht unmöglich, man müsse aber mit größter Sorgfalt darüber nachdenken, ob es nicht andere Ressourcen gäbe. Bedeutend sei auch die Frage, wie wichtig es für das ökonomische Überleben eines landwirtschaftlichen Betriebs sei.

Die rund 100 Teilnehmer der Vortragsveranstaltung konfrontierten den Bischof mit sehr konkreten Fragen und Zahlen. Der Preis für Weizen als Brennstoff liege um einiges höher als der Preis für Getreide als Lebensmittel, führte ein Diskutant aus. Die Alternative zum Heizen mit Getreide sei unter anderem der Verbrauch von fossilen Energien, so ein anderer Tagungsteilnehmer. Getreide als Brennstoff sei nachhaltiger "und damit mehr im Sinne der Schöpfung". Heute schon würden lediglich 20 Prozent des Getreides der menschlichen Ernährung zugeführt, erläuterte ein Diskussionsteilnehmer, "80 Prozent wandern in den Futtertrog".

"Wertvolles Getreide ist immer billiger geworden", bemängelte ein Diskutant und brachte ein beeindruckendes Beispiel: "Früher habe ich für einen Doppelzentner Brot 50 Mark bekommen, heute sind es noch acht Euro". Seine Schlussfolgerung: "Brot ist doch nichts mehr wert!"

Vor der Diskussion ging der Rottenburger Bischof auf die Haltung der katholischen Kirche zur Wertschöpfung in der Landwirtschaft ein. "Es geht um eine neue Kultur der Ernährung", so Fürst. Bei Lebensmitteln würde oft an der falschen Stelle gespart. Er rief dazu auf, lieber weniger, dafür aber qualitativ hochwertiges Fleisch aus heimischer Produktion zu konsumieren. Viele Zivilisationskrankheiten stünden in direktem Zusammenhang mit einer falschen Ernährung, führte der Bischof aus.

Er progagierte Nachhaltigkeit als Ergänzung und Erweiterung des Wertschöpfungs-Begriffs. Aspekte der Nachhaltigkeit seien eine ökologische Verträglichkeit, ökonomische Leistungsfähigkeit und soziale Tragfähigkeit. Man müsse der Schöpfung mit Ehrfurcht begegnen, ansonsten werde man zu einem Zerstörer der Schöpfung. "Sie haben die Kirche auf ihrer Seite", rief der Bischof den Landwirten zu und bezeichnete sie frei nach Papst Johannes XXIII. als "Mitarbeiter der Schöpfung Gottes".

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