Ein Leben für die Kirche: "Aber es reut nicht"
Theresia Plescher wurde gestern von Bischof Fürst mit der Martinusmedaille ausgezeichnet
Balingen-Roßwangen, 13.11.2006 von Gudrun Stoll
"Jetzt des au no", reagierte Theresia Plescher, als Pfarrer Ginter sie vor zwei Wochen am Telefon mit der Nachricht überraschte, dass sie mit der Martinusmedaille ausgezeichnet wird. Bischof Gebhard Fürst überreichte die Ehrung gestern in der Basilika von Weingarten.
Für die langjährige Mesnerin von Roßwangen war es ein schöner und bewegender Moment, den sie teilte mit der Schwester, deren Ehemann und dem Ortspfarrer - jeweils drei Gäste durften die 25 diesjährigen Preisträger aus der Diözese Rottenburg zu der Pontifikalvesper begleiten. Um ihre Person werde "zu viel Aufhebens gemacht". Denn um der Ehre willen hat sich die 81-Jährige nie um ihre Mitmenschen gekümmert. Seit bekannt geworden ist, dass die "Theres", wie sie im Heimatort genannt wird, die Martinusmedaille erhält, haben ihr am Telefon aber viele Bekannte, Freunde und Wegbegleiter gratuliert und sich mehr als einverstanden gezeigt, dass die Diözese ein "Leben für die Kirche" mit dieser besonderen Auszeichnung würdigt. Denn was Theresia Plescher getan habe, das sei schon beispielhaft und verdiene Anerkennung.
Im Leben von Theresia Plescher nahm die Kirche stets einen wichtigen Platz ein - auch in der schweren Zeit, in der sie drei Kinder verlor. Alle kamen tot auf die Welt. "Mein mittleres Mädchen wäre in diesen Tagen 50 Jahre alt geworden" erzählt sie. Die Erinnerung an den schmerzlichen Verlust ist noch wach, besonders an solchen Gedenktagen. In den verzweifelten und dunklen Stunden war ihr die damalige örtliche Ordensschwester eine große Stütze und Theresia Plescher sah die Kirche als richtigen Ort, um für sich eine erfüllende und sinnvolle Aufgabe zu finden.
Sie war Ehefrau, Hausfrau, arbeitete 34 Jahre als Näherin in einem Textilbetrieb und wurde "Mesnerin mit Leib und Seele". Sie schmückte die Kirche, pflegte den Garten, bereitete die Gottesdienste vor, hielt ein Auge auf die Ministranten, begleitete Hochzeiten und Beerdigungen, kümmerte sich um Handwerker, lud die jungen Diakone ein an ihren Mittagstisch. Kurzum, die Mesnerin war Mädchen für alles und zugleich Managerin: Da die Seelsorger, die auch Roßwangen betreuen, im Pfarrhaus in Frommern wohnen, wurde in der 500 Mitglieder zählende Kirchengemeinde vieles auf dem kurzen Weg über die "Theres" geregelt, der man auch keine Spende abschlug - sei es für die Reparatur der Kirchenfahnen oder für Gedenkkreuze. Als im April 1994 die umfangreiche Renovierung der Kirche zum Abschluss kam, merkte der Architekt in der Feierstunde schmunzelnd an: Die Mesnerin hat den Bau geleitet, der Pfarrer unterschrieben.
In den 70er Jahren wurde Theresia Plescher als erste Frau im Dekanat in den Kirchengemeinderat gewählt. Ob sie sich als Wolf unter Lämmern oder als Lamm unter Wölfen fühle, wurde sie vom Dekan gefragt. "Wenn ich es nötig finde melde ich mich zu Wort, wenn ich nichts weiß, bleibe ich still, lautete ihre Antwort. Als Ehemann Rudolf krank wurde, schied sie aus dem Gremium aus. Er starb im Jahr 1986.
"Ich habe das Mesneramt gerne gemacht", sagt Theresia Plescher. 28 Jahre, bis 2004. Aber das Alter fordert seinen Tribut, ohne dass Stillstand eintritt in ihrem Leben. Regelmäßig gibt es Treffen mit den Geschwistern. Sie besucht kranke Mitbürger im Ort und in den Pflegeheimen in der Umgebung. Bei den Seniorentreffen, sei es alle Jahre wieder der Nachmittag im Advent für alle Mitbürger, seien es die monatlichen Zusammenkünfte im Pfarrsaal, versäumt sie nie. Beide gehen auf ihre Initiative zurück. "Es reut nicht", sagt Theresia Plescher.
