Voll versunken im Schnee
Chaos auf Straßen - Hilfskräfte im Dauereinsatz - Stromausfälle
Zollernalbkreis, 06.03.2006
Durch die Schneelast umstürzende Bäume gefährdeten nicht nur den Verkehr, auch Hochspannungsleitungen wurden getroffen und sorgten für Stromausfall. Gleich zweimal hat es die Balinger Stadtteile Heselwangen, Streichen und Zillhausen getroffen. In der Nacht auf Sonntag um 2.30 und am Sonntagmorgen um 9 Uhr blieben die Lichter jeweils eine Stunde aus. Vier Mitarbeiter der Balinger Stadtwerke waren im Dauereinsatz, um die betroffenen Leitungen umzuschalten.
Rekord in Balingen
Diese Schneemassen markierten auch an der Heselwanger Wetterstation einen Rekord. Die Gesamtschneedecke lag bei 40 Zentimetern, davon 31 Zentimeter Neuschnee gemessen vom 4. März, 7 Uhr bis 5. März, 7 Uhr. "Das ist die größte Neuschneemenge innerhalb 24 Stunden, die ich seit Bestehen der Wetterstation im Jahr 1979 gemessen habe", teilte uns Wetterexperte Karl-Heinz Jetter mit. Die 40 Zentimeter aber wurden am 24. Februar 1986 noch übertroffen: An diesem Tag lagen 45 Zentimeter Schnee. In Albstadt jedoch waren Schneehöhen von bis zu 80 Zentimeter im Garten keine Seltenheit.Die Gewalt der "weißen Pracht" zeigte sich am Samstag Morgen in Meßstetten-Hossingen. Etwa gegen viertel nach neun stürzte ein frei tragendes Satteldach des leerstehenden "Göla"-Fabrikgebäudes in der Goethestraße ein. Aufgrund der dicken Schneedecke brach das Dach auf einer Länge von etwa 30 bis 40 Metern ein. Auch die noch rechts und links der Einsturzstelle stehenden Teile sind akut einsturzgefährdet. Die Feuerwehr sowie der Kreisbrandmeister waren vor Ort und veranlassten Sicherungsmaßnahmen, wie beispielsweise die weiträumige Sperrung des Geländes. Der Sachschaden wird laut Polizei auf ungefähr 200 000 Euro geschätzt.
Zwar nicht eingestürzt, aber sicherheitshalber geräumt wurde das Dach des Albstädter "Kaufland". Im Einsatz waren hier über zwei Dutzend Helfer von THW Albstadt und THW Balingen. Das Technische Hilfswerk war von der Konzert-Zentrale beauftragt, prophylaktisch das Supermarktdach frei zu schaufeln. Weil das viele Stunden in Anspruch nahm, waren die THW-Helfer auch die Nacht über - bei Flutlicht - im Einsatz. Auf Nummer sicher gingen auch viele Gemeinden und Privatleute: Feuerwehren und Häuslebesitzer waren mit Schaufeln bewaffnet auf den Dächern zu sehen. Überhaupt war Schneeschippen die Dauerdisziplin an diesem weißen Wochenende.
Viele Straßen gesperrt
Extreme Auswirkungen hatte der Dauerschneefall für den Straßenverkehr. Für den Verkehr gesperrt werden mussten die Straße von Lautlingen nach Meßstetten, der Verbindungsweg Winterlingen-Benzingen nach Harthausen und die Straße von Winterlingen nach Bitz. Im unteren Bezirk waren die L 360 zwischen Ostdorf/Kühler Grund, die L 435 zwischen Leidringen und Täbingen sowie die K 7130 zwischen Erzingen und dem Waldhof gesperrt. Auch auf der L 7123 zwischen Binsdorf und Gruol und der K 7122 zwischen Binsdorf und Heiligenzimmern durften kein Autos mehr fahren. Ebenso wurden in Burladingen, Hechingen und Haigerloch mehrere Land- und Kreisstraßen gesperrt.
Auf der Bundesstraße 463 in Albstadt, Höhe badkap, kam ein Sattelzug nicht mehr vom Fleck, andere Lastwagen kamen nur im Schritt-Tempo vorwärts und zahlreiche blieben an Steigungen hängen.
VOLKER BITZER / ROSALINDE RIEDE
