Die Selbständigkeit erhalten
Nur noch zwei, anstatt vier Bankvorstände - Schwieriges Jahr
Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Oberes Schlichemtal haben bei der Generalversammlung in der Stauseehalle am Mittwoch das Geschäftsjahr 1998 als das härteste und mit Abstand das schwierigste seit der Fusion im Jahr 1990 bezeichnet.
Mit einer Dividende von fünf Prozent bei einem Jahresüberschuß von lediglich 283 000 Mark ist der Bilanzgewinn eher bescheiden ausgefallen. Die Verantwortlichen wollen trotzdem die Selbständigkeit der Bank erhalten.
Vorstandsvorsitzender Peter Holderied eröffnete die gut besuchte Generalversammlung. Bei der Raiffeisenbank Oberes Schlichemtal haben derzeit 2831 Mitglieder über 15 000 Geschäftsanteile gezeichnet. Das Geschäftsvolumen der Bank stieg im letzten Jahr um 3,3 Prozent und erreichte 173,6 Millionen Mark.
Vorstand Siegfried Bertsch beleuchtete die Situation der Raiffeisenbank Oberes Schlichemtal im Detail. "Unsere Bank hat ein Jahr der Änderung, Wandlung und Umstellung hinter sich, das deshalb als das bewegteste Jahr seit der Fusion gilt", betonte der Bankvorstand und nannte dabei die Reduzierung der Zahl der Bankvorstände von vier auf zwei eine schmerzliche, aber dringend notwendige Maßnahme.
Siegfried Bertsch bedankte sich in diesem Zusammenhang für die Einsicht und das Verständnis der Betroffenen. Die bisherigen Bankvorstände Herbert Mocker und Eugen Reiner leiten in Zukunft die Geschäftsstellen in Dotternhausen und Dormettingen. Die Bank werde permanent von einem Unternehmensberater vor allem in den Bereichen Organisation, Personal- und Kreditmanagment betreut, gab der Bankvorstand bekannt, und es stelle sich immer deutlicher heraus, daß man um die Schließung unrentabler Zweigstellen nicht herumkomme.
Jahresabschluß
Sehr differenziert sprach Vorstand Bernd Wachendorfer über den Jahresabschluß der Bank, wobei die Zahlungsbereitschaft unter Einhaltung der gesetzlichen Liquididätsgrundsätze stets gegeben gewesen sei. Die Umwandlung kurzfristiger Kredite in langfristige Darlehen unter Ausnutzung des niedrigen Zinsniveaus habe das Kreditgeschäft nicht belebt und zusammen mit anderen Komponenten sogar eine Nachfrageschwäche ausgelöst. Zum Jahresende betrugen die Kundenkredite rund 111 Millionen Mark und haben einen schwachen Zuwachs von 1,3 Prozent erfahren.
Die Rahmenbedingungen für das Einlagengeschäft bezeichnete Bernd Wachendorfer bei der Erläuterung der Passivseite der Bilanz als schwierig und sah die Gründe dafür in der Situation auf dem Arbeitsmarkt und der damit verbundenen rückläufigen Sparquote sowie in den historisch niedrigen Zinsen bei boomendem Aktienmarkt.
Zu den darüber hinaus noch entstandenen Schwierigkeiten nahm Bernd Wachendorfer ebenfalls kurz Stellung: "Infolge geänderter Bewertungsverfahren, die zu erheblichen Abweichungen in unseren Wertansätzen führten, durch wirtschaftliche Notlagen bei von uns kreditierten Unternehmen und durch verschärfte Prüfungen mußten wir im Jahr 1998 überdurchschnittlich hohe Einzelwertberichtigungen bei unseren Kreditengagements bilden". Das habe die Rückholung von Steuern aus den Jahren 1996 und 1997 und die Auflösung stiller Reserven notwendig gemacht, erklärte der Bankvorstand.
Personalkosten
Die in den Geschäftsstellen installierten Geldausgabeautomaten und Kontoauszugsdruckern werden von der Kundschaft gerne angenommen, sagte Bernd Wachendorfer, denn bei über 50 000 Vorgängen seien rund 15 Millionen Mark über die Automaten ausbezahlt worden.
Obwohl die Personalkosten um 67 000 Mark gesunken seien, haben sich die Verwaltungsaufwendungen insgesamt um 56 000 Mark und die Sachkosten -vor allem die Erweiterung der technischen Einrichtungen- gar um 133 000 Mark erhöht, gab der Vorstand bekannt.