Originelle Interpretation
Egon Rieble im Schörzinger Bürgersaal
Schömberg-Schörzingen, 05.04.2005 von Michaela Koch
Egon Rieble bescherte vor kurzem einer großen Zuhörerschar im Bürgersaal des Bürgerhauses in Schörzingen einen interessanten und vergnüglichen Abend.
Auf Einladung von Ortsvorsteher Josef Rissler las Rieble aus seinen Mundart- und Kunstbüchern. Mit einer fast kindlichen Unbefangenheit nahm er mit originellen Interpretationen die Zuhörer auf eine Entdeckungsreise mit durch die Landkreise Zollernalb und Rottweil hin zu den vielen Kirchenkunst-Kleinoden. Selten wurde in dem Bürgersaal, der sonst den Gemeindegremien und Standesamtlichen Hochzeiten vorbehalten ist, so herzlich gelacht und geschmunzelt. Egon Rieble verstand es, mit heilsamem, wohltuendem und hintersinnigem Humor auf sonst unbeachtete Details und Schönheiten der Kirchen in der näheren Umgebung und in angrenzenden Gebieten aufmerksam zu machen. Dabei stellte er vor seine ihm eigenen Betrachtungsweise stets eine fundierte fachliche Beschreibung und präzise Erläuterung.
Egon Rieble, wohnhaft in Göllsdorf, Kunstexperte, Querdenker, Schriftsteller, Mundartdichter, Jagdflieger und Original in einem, eröffnete die Lesung mit einem Ausflug in seine Fliegervergangenheit und spannte den Bogen hin zu einem der schönsten barocken Kunstdenkmäler im Lande: der Dorfkirche St.Gallus in Schörzingen.
Er stellte anschaulich den von dem Schömberger Künstler Urban Faulhaber geschaffenen Altar, das Chorgestühl und die Kanzel als ein in seiner Geschlossenheit einzigartiges Kunstwerk dar. Dabei verwies er listig auf eine Putte hin, die mit urwüchsiger Kraft die Kanzel trägt und vormals auch den Pfarrer stützte. Schwerpunkt der Lesung waren dann seine inzwischen vergriffenen Bücher "Em Jesule isch es langweilig" und " Dr oane geit's der Herr im Schlof".
Den Abschluss bildeten Offenbarungen aus seinem jüngsten Werk "Guck au , dr Gabriel" und Gedichte aus dem in Vorbereitung befindlichen Buch "Reia Rosa mit em Nischter".
Gespannt bis zum Schluss, war das Publikum unterwegs mit Egon Rieble zu seinen Heiligen. Es dankte ihm mit einem begeisterten Applaus und rang ihm noch als Zugabe einige Gedichte ab, die ihn dann auch als empfindsamen und nachdenklichen Poeten charakterisierten. Insgesamt ein außergewöhnlicher Abend zu dem auch Riebles Assistentin Christel Schmidbauer helfend beitrug. Fazit: Auch so kann sakrale Kunst einem breiten Publikum mit Genuss und ohne Langeweile schmackhaft und verständlich offeriert werden.
