Wie ein Unternehmen

Walter Meinlschmidt und Walter Preg über ihre Vereinsarbeit

Balingen, 12.06.1999 von Karl-Otto Müller

Anzeige
Was den Fußballern ihr Meinlschmidt, ist den Handballern ihr Preg. Beider Vornamen ist Walter. Beide kommen sie aus dem Lager der Aktiven. - Diese Jahre sind vorbei, dennoch sind sie heute mehr denn je Macher.
Abteilungsleiter der Balinger TSG. Walter Meinlschmidt (im Bild links) der der Fußballer, Walter Preg (rechts) der der Handballer. Der eine Jahrgang 58, der andere Jahrgang 53. Ihr Herz schlägt für den Sport, insbesondere den Mannschaftssport. Ihre ehrenamtlichen Laufbahnen unterscheiden sich, ihre Ziele sind gleichermaßen ehrgeizig. Die Erfolge in ihren Abteilungen sind ihnen Ansporn und Lob. - Als Gäste in der Lokalredaktion sollen einmal nicht Tabellenstände und Ergebnisse Gesprächsthema sein sondern die ehrenamtliche Arbeit. "Von 16 Stunden im Monat" spreche die Statistik - Meinlschmidt bezweifelt dies und rechnet sein derzeitiges Engagement am Rundenende nach. Seine Arbeit als - wagen wir's zu sagen - "Headhunter" (Kopfjäger) für die neue Mannschaft. Sieben Namen gab er bereits zu Wochenbeginn bekannt, mit dem achten wartet er beim gestrigen Besuch auf: Frank Utzeri aus Albstadt wird in der kommenden Saison das Mittelfeld für die Balinger TSG aufmischen. "Ein weiterer Hoffnungsträger", schmunzelt Meinlschmidt und lehnt sich zufrieden zurück. Vorerst. Die Ziele für die neue Saison seien festgelegt: wenigstens ein sechster Platz. Unternehmen Fußball Auf dieses Ziel habe man sich gemeinsam geeinigt, betont er mehrfach und stimmt seinem Vereinskollegen bei: "Wir handeln nicht alleine und selbstherrlich, wir handeln im Team" Für die Fußballer ist das ein 20köpfiger Ausschuß. Für die Handballer ein 15köpfiger, wobei Walter Preg hier den Ältestenrat mitrechnet. Schon vor gut zehn Jahren hätten sie erkannt, "daß wir mit der normalen Vereinsstruktur nicht weiterkommen", erläutert Walter Meinlschmidt, "die Abteilung muß geführt werden wie ein Unternehmen." Unvergessen sind ihm Namen wie Günter Kraut und Roland Gaede (beide verstorben), die zu Zeiten Kurt Schowalters und Bernhard Glietschs diesen neuen Geist in die Fußballabteilung hineintrugen. Große Projekte wie der Sparkassen-Indoor-Cup oder der Weihnachtsmarkt, große Freundschaftsspiele verlangen Verantwortlichkeiten. Projektleiter bestimmten die Abteilungsstruktur - "Der Vorstand allein vermag solch große Veranstaltungen nicht mehr zu bewerkstelligen". Die Verantwortlichkeiten hätten Motivation und Zusammenhalt gefördert, denn - Meinlschmidt blickt wenige Tage voraus: "Auch beim großen Freundschaftsspiel zwischen der TSG Balingen und Besiktas Istanbul am 17. Juli im Au-Stadion dürften gut 150 Mitglieder im Einsatz sein." Ohne sie wäre ein solcher Event gar nicht möglich, ihnen gelte deshalb an dieser Stelle sein besonderes Lob. - Besiktas Istanbul spiele in der Türkei immerhin eine Rolle vergleichbar der des FC Bayern München in der Bundesliga. Ihr Trainer ist Kalli Feldkamp - "damit wissen Sie auch, wem wir diese Begegnung zu verdanken haben", weist Meinlschmidt auf die Bedeutung der Sponsoren, in diesem Fall Uhlsport, hin. Die Chemie stimmt "Was für die Fußballer gilt, ist bei den Handballern nicht anders", pflichtet ihm Preg bei. Das gute Miteinander beider ist zu spüren, die Chemie stimmt, wie man landläufig zu sagen pflegt. "Wir haben von den Fußballern viel gelernt - und sind bald so weit wie ihr", verweist Preg auf die Neustrukturierung seiner Abteilung. Projektleiter oder Ressortleiter - eben fachspezifische Verantwortliche, weil auch die Handballer mit Highlights nicht zurückhaltend sind. Großereignisse wie der Volksbank-Cup machen Arbeit. Solches gehört zu einer erfolgreichen Abteilung wie der erfolgreiche Spielbetrieb. Erfolg zieht an. Zufrieden und stolz legt Walter Preg die Mitgliederstatistik vor: Von 1990 bis 1997 ist diese von 170 (damals 12 Jugendlichen) auf 320 gestiegen. Heute ist die Hälfte unter 18, weitere 87 zwischen 19 und 40 Jahre alt, 72 Mitglieder sind 41 und älter. In etwa gleich lese sich das Zahlenwerk der Fußballabteilung, sagt Meinlschmidt - beide wagen eine zuversichtliche "Rentabilitätsvorschau" (aus Preg spricht der Steuerberater): Früchte der Jugendarbeit Mit dem Jahr 2000 könnten die Früchte jahrelanger Arbeit geerntet werden. 18 A-Jugendliche aus dem eigenen "Stall" stehen ab 2000 der aktiven Mannschaft zur Verfügung, freut sich Meinlschmidt. Für Walter Preg, der 1990 erst gar nicht zu jener schicksalhaften Abteilungsversammlung seiner Handballer gehen wollte, die ihm schließlich die Vorstandschaft bescherte, wäre dies ein großer Schritt zur "Erfüllung unseres Traumzieles": Eine Oberliga-Mannschaft mit eigenen (Balinger) Spielern. Bislang "kauft" auch er immer wieder ein, so wie derzeit den neuen Spielertrainer - seinen Namen will er noch nicht verraten. Aber dieses "personelle Großprojekt", wie er es nennt, könnte vielleicht auch zur Verwirklichung der angedachten Kindersportschule führen, läßt "Headhunter" Preg durchblicken. Tiefere Blicke in die Karten sind noch nicht gestattet. Auch damit die eigenen Leute im Lande bleiben, pflegt man den Kontakt zur Wirtschaft. Der "Headhunter" ist auch Arbeitsplatzvermittler. Doch keine Frage, möchte Walter Preg auf die stete Bedeutung der Vereinsgemeinschaft hinweisen, "nicht nur Tore zählen".

HBW News auf´s Handy

Fußball

Anzeige

Der ZAK bei Facebook