Gebot bei 695 000 Mark
Zuschlag vorläufig ausgesetzt - "Obere Säge" unterm Hammer
Schömberg, 10.06.1999 von Daniel Seeburger
Das höchste Bargebot bei der Zwangsversteigerung der "Oberen Säge" in Schömberg lag gestern im Balinger Amtsbericht bei 695 000 Mark. Einzige Bieterin war die Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG. Der Zuschlag wurde allerdings auf Antrag der Bank vorläufig ausgesetzt.
Das Interesse bei der Zwangsversteigerung war groß, die Plätze im Raum 110 des Balinger Amtsgerichts reichten fast nicht aus für die zahlreichen Zuschauer. Über 20 Neugierige waren zum Versteigerungstermin erschienen. Kein Wunder: Die "Obere Säge" liegt idyllisch an der Kreisstraße zwischen Schömberg und Ratshausen und ist eines der markantesten Gebäude in der Schlichemstadt in unmittelbarer Nähe zum Stausee. Unter anderem Mitglieder der Touristikgemeinschaft Oberes Schlichemtal waren bei der Versteigerung zugegen.
Unter dem Besitzer Horst Lauffer war die "Obere Säge" ein beliebtes Ausflugslokal. Lauffer verließ im Oktober vergangenen Jahres Deutschland in Richtung Karibik und meldete sich von dort aus im Februar beim ZOLLERN-ALB-KURIER. Als einen Grund für seinen Umzug in die Dominikanische Republik nannte er die "bis zu 35 Sommerfeste und Vereinsfeste" in Schömberg. Ein Vorwurf, der damals von Heiner Burkardt von der Touristikgemeinschaft und vom Musikvereinsvorsitzenden Manfred Riedlinger zurückgewiesen worden war.
Durchgeführt wurde die Zwangsversteigerung gestern von der Rechtspflegerin Bihlmayer vom Amtsgericht. Durch Aussetzung der Zuschlagsentscheidung könne der Meistbietende, also die Bayerische Hypo- und Vereinsbank, das Recht auf Zuschlag auf einen Dritten abtreten, erklärte die Rechtspflegerin. Die Zuschlagsentscheidung soll am Mittwoch, 21. Juli, um 11 Uhr im Balinger Amtsgericht ergehen. Bis zu diesem Zeitpunkt kann die Bank versuchen, eventuell einen Interessenten für die Übernahme der "Oberen Säge" zu finden.
Nach Schätzungen eines Sachverständigen hat die "Obere Säge" einen Verkehrswert von 1 080 570 Mark. Zu dem Hotelgebäude gehört ein Gelände mit 59 Ar und 72 Quadratmetern.
Genau 31 Minuten hatten die Interessenten gestern nachmittag Zeit, ihre Gebote bei der Zwangsversteigerung abzugeben. Dabei wurde der Betrag von 539 785 Mark, die Hälfte des Verkehrswerts, als Mindestgebotssumme festgelegt. In dieser halben Stunde Wartezeit vergnügten sich die Zuschauer mit Gesprächen im gut temperierten Zimmer des Amtsgerichts. "Bei Sothebys geht es lustiger zu", amüsierte sich ein etwas genervter Zuschauer. "Deshalb steht bei mir auch 'Zwangs-' davor", konterte Rechtspflegerin Bihlmayer.
