Film
Als Journalistin stellt sie normalerweise die Fragen, als Filmemacherin von ‚Widerstand ist Pflicht‘ war Katharina Thoms bei der Vorpremiere am Dienstagabend selbst eine gefragte Frau.
Als Journalistin stellt sie normalerweise die Fragen, als Filmemacherin von ‚Widerstand ist Pflicht‘ war Katharina Thoms bei der Vorpremiere am Dienstagabend selbst eine gefragte Frau. Foto: Michael Würz
Als Journalistin stellt sie normalerweise die Fragen, als Filmemacherin von ‚Widerstand ist Pflicht‘ war Katharina Thoms bei der Vorpremiere am Dienstagabend selbst eine gefragte Frau.
Als Journalistin stellt sie normalerweise die Fragen, als Filmemacherin von ‚Widerstand ist Pflicht‘ war Katharina Thoms bei der Vorpremiere am Dienstagabend selbst eine gefragte Frau. Foto: Michael Würz

Mössingen, 12.11.2014

Mit Video

Beeindruckendes Werk gegen den Faschismus

Die Schauspieler aus ‚Ein Dorf im Widerstand‘ sehen sich zum ersten Mal auf der Leinwand

Nach mehr als 80 Jahren wird der Mössinger Generalstreik wieder zum Thema. Nach dem riesigen Erfolg des von der Bundesregierung preisgekrönten Theaterstücks ‚Ein Dorf im Widerstand‘ kommt nun der Film in die Kinos der Region.

Die Leinwand bleibt zunächst schwarz, allein die Schritte marschierender Menschen sind zu hören. So läuft es den Zuschauern schon in den ersten Sekunden des Films kalt den Rücken hinunter. Zum ersten Mal sehen sich die Schauspieler des Lindenhoftheaters und die zahlreichen Laienschauspieler am Dienstagabend selbst auf der Leinwand. „Ich habe mich den ganzen Tag damit beschäftigt, was wohl auf mich zukommt“, sagt Andrea Ayen. Die Tochter von Paul Ayen, einem der Organisatoren des wenig bekannten Mössinger Generalstreiks, spielt in dem Film die Hauptrolle. „Es ist befremdlich, sich selbst zu sehen, aber der Film ist wirklich sehr gut gemacht, ich bin erleichtert“, sagt sie nach der Vorpremiere.

Eigentlich hatte die Journalistin Katharina Thoms nur einen Radiobeitrag geplant, als das Melchinger Lindenhoftheater 2012 sein Mammutprojekt ‚Ein Dorf im Widerstand‘ vorstellte. Doch der Mössinger Generalstreik, von dem sie – obwohl sie in Tübingen Geschichte studierte – noch nie gehört hatte, ließ sie nicht mehr los. Thoms stellt ein kleines Team engagierter Filmemacher zusammen, begleitet das Projekt fortan mit der Kamera. Sie sind bei den Proben und hinter den Kulissen dabei, halten fest, wie Philipp Becker, der das Theaterstück inszenierte, Nerven zeigt. „Es ist ein Wahnsinnsprojekt, die Leute haben ja alle keinen Vertrag, die können einfach sagen, sie kommen nicht mehr.“

Doch die Mössinger Laiendarsteller kamen immer wieder. Selbst im Winter übten sie ein ums andere Mal ihre Szenen in der Pausa, einer verlassenen und eiskalten Fabrikhalle, die beim Generalstreik 1933 eine wichtige Rolle spielte. Der Dokumentarfilm, der die Schauspieler bis zur Uraufführung begleitet, kommt ohne Sprecher aus. Der komplette Film wird dankenswerterweise allein von den O-Tönen getragen; hier und da helfen Untertitel über tiefschwäbische Szenen hinweg. Er begleitet Andrea Ayen auf ihrem monatelangen Weg durch die Theaterproben und in die Vergangenheit. Mit dem Hauptdarsteller, der ihren Vater verkörpert, begibt sie sich an die Originalschauplätze des Streiks in Mössingen.

Gleichzeitig kehrt die Geschichte immer wieder zurück zu den Theaterproben in der Pausa. „Ich hoffe auf überregionales Feuilleton, dass mal jemand von ganz außen über dieses Thema schreibt“, sagt Becker im Film. Eine Anspielung auf die Debatte, die Kritiker aus den Reihen der Freien Wähler und der CDU in Mössingen zum 80. Jahrestag des Generalstreiks erneut angezettelt haben. Sie unterstellten den nicht mehr lebenden Akteuren des Generalstreiks, sie hätten eine rote Diktatur angestrebt, ein totalitäres System durch ein stalinistisches ersetzen wollen.

Fakt ist: Vor über 80 Jahren gingen hunderte Menschen in Mössingen gegen Hitler auf die Straße – als erste und als einzige in Deutschland. „So kann man den Faschismus bekämpfen, doch sonst hat niemand mitgemacht“, sagt Paul Ayen in einer Tonaufzeichnung, mit der der Film endet und von der Tochter Andrea nicht wusste, dass sie existiert. „Die Filmemacher haben mich damit mächtig überrascht.“ Sie ist sicher: „Mein Vater wäre stolz, wenn er wüsste, dass ich bei diesem Projekt mitgemacht habe.“ Man wünscht dem Film unweigerlich, dass er nach seiner Premiere am 31. Januar 2015 in den Lichtspielen Mössingen nicht nur in vielen Kinos zu sehen sein wird, sondern auch seinen Weg in die Schulen findet.

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Kommentare unserer Leser

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Es gibt sie noch...

...die guten Nachrichten. Auf so eine Ortsgeschichte kann Mössingen zu Recht stolz sein. Seltsam finde ich es, dass in dem Wikipedia-Arikel zu lesen ist, die Anbringung einer Gedenktafel habe u.a. gegen den Widerstand der regionalen und örtlichen CDU durchgesetzt werden müssen. Das finde ich nicht nur seltsam, sondern sogar sehr seltsam, weil ich nicht begreifen kann, dass die Vertretung einer demkokratischen Partei der Bundesrepublik Deutschland Widerstand gegen eine Aktion des Widerstandes gegen Hitler leistet.

Lisa Witsch am 12.11.2014 17:51:04
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