"Rock am See 2004 - wir sind alle hier"
Velvet Revolver und die Ärzte die Höhepunkte - 22 000 Besucher und die Sonne schauen vorbei
Konstanz, 02.09.2004 von Felix Kösterke
Und tatsächlich - die Sonne schien. Tore auf, Bühne frei, Lautsprecher an - "Rock am See" stellte am Samstag 22 000 Besucher restlos zufrieden. Viele von ihnen waren bereits seit Freitag in Konstanz, die meisten aber steckten am Samstag im obligatorischen Stau, der zu Rock am See gehört wie der See selbst. Wer zu spät kam, verpasste Strung Out, die das Festival eröffneten. Spätestens zu Everlast aber waren die meisten im Stadion und bereuten es nicht. Der Ex-Rapper überzeugte mit seinem rhythmischen Country-Rock-Bastard und seiner rauchigen Stimme und bescherte Rock am See den ersten (und einzigen ruhigen) Höhepunkt.
Apropos Ruhe. Die ist nicht die Stärke von Coby Dick, dem Frontmann von Papa Roach. Die US-Band ging von Beginn an kompromisslos in die Vollen.
Noch energiegeladener sind die Beatsteaks. Die derzeit vielleicht angesagteste deutsche Band bewies wieder einmal, das sie mit "Smack Smash" nicht nur ein ausgezeichnetes Album am Start hat, sondern sich auch live vor niemandem verstecken muss. Gänsehautfeeling gab's bei "I Don't Care As Long As You Sing" und dem Rausschmeißer "Let me in".
Ebenfalls aus Deutschland und seit Jahren ein Dauerbrenner sind die Sportfreunde Stiller. Die Brutalsympathen aus dem Freistaat hatten den Zuckerstreuer im Gepäck, brachten ihre Liedchen unters Volk, pflanzten gute Laune und lagen mit ihrer Einschätzung, die einzige Pop-Band an diesem Tag zu sein, vollkommen richtig. Spaß machen die "Sporties" alle mal und mit dem Freestyle-Reim "Rock am See 2004 - wir sind alle hier" sorgten sie zudem noch für den Spruch des Tages.
Das Wort des Tages war Slash - egal ob bei den Bands oder den Zuhörern, der Name des legendären Guns'N'Roses-Gitarristen war allgegenwärtig. Kein Wunder, stand er doch am frühen Abend mit seiner neuen Band Velvet Revolver auf der Bühne. Diese wird gerade in den Himmel gelobt - von der neuen Superband ist die Rede - und das auch teilweise zu Recht. Nicht nur wegen der Namen - mit ihm Boot sitzen Matt und Duff von Guns'N'Roses und Ex-Stone-Temple-Pilots-Frontman Scott Weiland. Auch musikalisch spielte der Fünfer an diesem Tag in einer eigenen Liga.
Groß sind auch die Ärzte. Sehr groß sogar, die "größte Band der Welt" um genau zu sein. Das zumindestens behaupten Farin, Bela und Rod - und an diesem Abend gaben ihnen die 22 000 Recht. Denn live sind die Ärzte eine Klasse für sich. Da wird Hit an Hit gereiht und sich gleich zu beginn dafür entschuldigt, dass man das eigentliche Ziel - Musik zu machen - gerne mal aus den Augen verliert. Aber das sind die Fans gewohnt. Und das lieben sie. Was wäre ein Ärzte-Konzert ohne die zahlreichen Kalauer? Die Frage wird unbeantwortet bleiben, denn der Slapstick gehört bei den Ärzten genauso dazu wie die Zugabe und die Zugabe zur Zugabe.
Nach zwei Stunden Ärzte pur ging das 19. Rock am See zu Ende und mit ihm eine Festivalsaison, die so manchen Höhepunkt parat hielt. Der vergangene Samstag gehörte dazu und schürte die Vorfreude aufs nächste Jahr, wenn das Festival seinen 20. Geburtstag feiert.
Unser WOBL-Foto-Team war natürlich in Konstanz vor Ort und hat jede Menge Fotos gemacht. Zu sehen wie immer im Internet unter www.zak.de/bilder.
