Spiritueller Anziehungspunkt im Schlichemtal

Jubiläum: Seit genau 80 Jahren betreuen die Franziskaner die Wallfahrtsstätte auf dem Palmbühl

Schömberg, 12.06.2004 von

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Der Palmbühl in Schömberg ist ein spiritueller Anziehungspunkt für viele Katholiken aus dem Zollernalbkreis und den Nachbarkreisen Rottweil, Tuttlingen und Villingen-Schwenningen. Heute feiert Pater Kunibert ein kleines Jubiläum. Seit 80 Jahren betreuen die Franziskaner die Wallfahrtstätte. Auf dem Palmbühl in Schömberg gibt es von Mai bis Oktober noch Katholizismus pur. Außer den zwei heiligen Messen am Sonntagmorgen und zur täglichen Messe an den Werktagen werden zahlreiche Andachten und Rosenkranz-Gebete durchgeführt. Vor allem in den Marien-Monaten Mai und Oktober zieht es viele Gläubige zur Verehrung der "Schmerzhaften Mutter auf dem Palmbühl" an die Wallfahrtstätte nach Schömberg. Über mangelnden Zuspruch können sich Palmbühl-Seelsorger Pater Kunibert und Schömbergs Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt wahrlich nicht beklagen. Die Kirche ist meistens proppenvoll. Oft reichen die rund 400 Sitz- und Stehplätze nicht aus, dann nehmen die Pilger vor der Kirche Platz und der Gottesdienst wird nach draußen übertragen oder gleich vor dem Gotteshaus gefeiert.

Die gotische Pieta, die die Gläubigen anzieht, stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und soll schon viele Wunder bewirkt haben. So wurde beispielsweise in einem Mirakelbericht von 1684, kurz nach dem 30-jährigen Krieg, von Zeichen und Wundern auf dem Palmbühl berichtet.

1464 wurde erstmals eine dem heiligen Leonhard, Patron der Gefangenen, der Gebärenden und der Pferde, geweihte Wallfahrtskirche auf dem Palmbühl erwähnt, nachdem 1331 der Flurname aus dem Dunkel der Geschichte auftauchte. Die damaligen Christen hatten mit vielen Widerständen zu kämpfen. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war die Kapelle verfallen.

Vor allem nach dem verheerenden 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) pilgerten wieder viele Gläubige aus dem arg gebeutelten Schlichemtal auf den Palmbühl. 1655 wurde vom Schömberger Baumeister Hans Geiger, gegen den Widerstand des Schömberger Pfarrherren, ein neues Kirchlein erbaut. Das Geld für den Bau erbettelte er. Immer mehr Wallfahrer kamen, die Kapelle wurde zu klein. Die Bürger Schömbergs zogen wieder auf Bettelfahrt für ihr Kirchlein - zwei Männer wanderten für die neue Kirche sogar bis nach Bayern. 1680 konnte mit dem Umbau der Kapelle begonnen werden, erst 1725 wurde der Bau fertig und am 12. September 1733 weihte der Konstanzer Weihbischof Johann Anton von Sirgenstein die jetzige Kirche ein.

Die Wallfahrten aus der Umgebung nahmen zu, bis die Säkularisation ab 1806 dem Kirchlein fast den Todesstoß versetzt hätte. 1817 sollte die Palmbühlkirche abgerissen werden. Letztlich verhinderte eine Stiftung den Abbruch. Erst 1849 erwachte neues Leben auf dem Palmbühl, seit 1850 gibt es die feierlichen Maiandachten.

Am 12. Juni 1924, heute vor 80 Jahren, wurde die Seelsorge auf dem Palmbühl von Franziskanern der Thüringischen Ordensprovinz Fulda übernommen. Für den Schömberger Wallfahrtsort bedeutete das einen Aufschwung, der bis heute anhält. Der Palmbühl hat sich in 80 Jahren Franziskaner-Präsenz zu einem geistlichen Zentrum entwickelt.

Pater Viktor M. Hirschle und Bruder Julian legten 1924 den Grundstein für die parkähnliche Anlage, die den Palmbühl heute so unverwechselbar macht. Freiwillige Helfer aus Schömberg gestalteten den Wallfahrtsort und gaben ihm sein heutiges Gesicht.

Unter der Regie von Pater Kunibert, der den Palmbühl seit 1978 geistlich betreut wurde die lange Jahre andauernde Kirchenrenovierung 1985 beendet. 1993 konnte man das neue Bruderhaus seiner Bestimmung übergeben. Im vergangenen Jahr wurde der Kirchenvorplatz und die Kreuzweg-Stationen saniert, vor einigen Wochen die Zufahrt zur Kirche neu angelegt.

Gefeiert wird das runde Jubiläum nicht. Am kommenden Sonntag ist "business as usual" auf dem Palmbühl. Erwartet werden zwar wieder über 1000 Gläubige bei den zwei Messen und der nachmittäglichen Andacht. Die aber kommen hauptsächlich wegen der traditionellen Kindersegnung um 10.30 Uhr. Und die findet jedes Jahr zum Fest des heiligen Antonius von Padua statt.

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