Als Schömbergs Handballer noch kickten . . .

Handball-Legende Hermann Bertsch (75) hat eine umfassende Chronik der Abteilung geschrieben

Als Schömbergs Handballer noch kickten . . .

Schömberg, 17.01.2004 von Daniel Seeburger

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Wenn man die Schömberger Handball-Abteilung mit nur zwei Worten charakterisieren dürfte, so wären sie schnell gefunden: Hermann Bertsch. Denn ohne den 75-Jährigen wäre diese Sportart in der Schlichemstadt undenkbar.
Dass der Handballsport in Schömberg einen so guten Ruf hat, ist Männern wie Hermann Bertsch zu verdanken. Wobei die Bezeichnung "Mr. Handball", oder "Mann mit der Mütze" für den 75-Jährigen am meisten zutreffend wäre. Denn ohne seine Mütze ist der sympathische Rentner, der auch heute noch einen Großteil seiner Freizeit für die Sportart opfert, nie am Spielfeldrand zu sehen. Er ist außerdem genau so alt wie die Abteilung, für die er schon viel Herblut vergossen hat.

Die Schömberger Handball-Legende will sich aber noch lange nicht zur Ruhe setzen. Erst kürzlich überraschte er die Schömberger Ballwerfer mit einer 15-seitigen, handgeschriebenen Broschüre mit dem Titel "75 Jahre Handball in Schömberg". Darin zeichnet Bertsch die Geschichte dieser Sportart in der Stauseestadt akribisch nach und würzt die trockene Materie mit zahlreichen Anekdoten. Wer hätte sich besser an diese Fleißaufgabe machen können als Hermann Bertsch? War der 75-Jährige doch insgesamt 39 Jahre Schriftführer der Abteilung oder des Hauptvereins.

Seit 75 Jahren wird in Schömberg Handball gespielt. Auf genau so viele Lebensjahre kann Hermann Bertsch zurück blicken. Schon als Schüler haben die handballbegeisterten jungen Schömberger Stecken in den Wiesenboden getrieben und Bälle, oder alles was danach aussah, auf diese provisorischen Tore geworfen. Seit 1941 ist Bertsch aktiver Jugendspieler, vor 59 Jahren, kurz nach Kriegsende, streifte er erstmals das Dress der TG Schömberg über. Zusammen mit August Grözinger organisierte er im Oktober 1945 einen inoffiziellen Spielbetrieb. Aktiv spielte Bertsch bis 1960. Danach wechselte er in die Reihen der Alten Herren. Rekordverdächtig: Sein letztes Spiel absolvierte er 1989 gegen Hossingen. Damals war Hermann Bertsch 61 Jahre alt. In den Reihen der TG Schömberg stand in diesem Spiel auch sein Sohn. Vater und Sohn spielten gemeinsam bei den Alten Herren - das dürfte einmalig sein im Zollernalbkreis.

Da bis 1948 keine Aufzeichnungen über die Abteilung vorhanden sind, stöberte Hermann Bertsch in den Archiven des Hauptvereins und fand dort auch zahlreiche staunenswerte Details.

Der Leser darf schmunzeln. Beispielsweise wenn Bertsch von einem Ausflug der Schömberger Handballer in fremde Gefilde berichtet. So unterlag man im November 1946 bei einem Fußballspiel gegen die Fußballer des SV Dotternhausen mit 4:1. Der Handballverband bekam Wind von der Sache und verhängte eine drakonische Strafe. Die Handballer erhielten eine mehrmonatige Spielsperre. Im Juli 1947 wurde die Handball-Abteilung offiziell wieder gegründet - Hermann Bertsch war als einziger Vertreter des Hauptvereins in Sigmaringen vertreten.

Die Handball-Abteilung weiß, was sie an Hermann Bertsch hat. Er hat wohl im Laufe seiner langen Laufbahn alle Ehrungen erhalten, mit denen ein Handballer ausgezeichnet werden kann. Die bronzene silberne und goldene Ehrennadeln der Handball-Abteilung sind ebenso dabei wie sämtliche Ehrungen des Landesverbandes. Außerdem ist er Ehrenmitglied der TG Schömberg und Träger der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, die ihm Ministerpräsident Lothar Späth 1988 verliehen hat.

Noch heute verfasst Hermann Bertsch fürs Amtsblatt die Spielberichte seiner Schömberger Handballer und geht als Schriftführer am Schiedsrichtertisch den Referees zur Hand. "Ich bin immer noch fünf Stunden pro Wochenende in Sachen Handball aktiv", erzählt er. Wenn er mit seiner Mütze in der Halle auftaucht, wird er sogar von Jugendspielern freudig begrüßt. Sein Engagement für den Verein ist heute noch so groß, dass er sogar manchmal die Sportschau verpasst. Gerne würde er öfter die Heimspiele des HBW Balingen-Weilstetten besuchen. "Das geht aber nur dann, wenn Schömberg nicht parallel dazu ein Spiel hat", sagt er.

Seine Lieblingsmannschaft allerdings ist der VfL Gummersbach. Denn der hat 1989 schon einmal in Dotterhausen gegen den TuS Schutterwald gespielt - und wer war maßgeblich an der Organisation dieses Spieles beteiligt? Natürlich Hermann Bertsch!

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