Fehler darf es nicht geben
FFW-Höhenrettungsgruppe Balingen und Weingarten
Balingen-Zillhausen, 24.11.2003 von Michael Würz
"Fehler darf man hier oben nicht machen. Es könnte dein letzter sein", mahnt der Höhenretter. Mit einem satten "Klack" schließt sich der Karabinerhaken um eine massive Stange des Kranauslegers.
Lediglich in Gurten, Seilen und Helmen dürfen sich die Balinger Höhenretter bewegen - auch am Samstag bei der Übung in Zillhausen.Seit März ist die Gruppe einsatzbereit. Ihr Fachgebiet ist die Personenrettung aus Höhen und Tiefen. Bisher bestand die Mannschaft aus sieben Kameraden der Abteilung Zillhausen. Nun lassen sich weitere acht Feuerwehrmänner aus anderen Abteilungen ausbilden.
Es ist ein Fall wie aus dem echten Leben: Ein spielendes Kind hat zwar den Baukran erobert, traut sich aber nicht mehr herunter. Ein Passant eilt zur Hilfe und sitzt am Ende gemeinsam mit dem Kind auf dem Kranausleger fest. Eine haarige Situation, welche die Balinger Höhenretter gemeinsam mit Kollegen aus Weingarten souverän gemeistert haben.
Unter dem gelben Helm vorne am Ausleger steckt Ausbilder Harald Straub. Er wacht über unzählige Knoten, Ösen und den richtigen Ablauf der Rettung. "Andi, ich brauche noch mehr von dem roten Seil" - in schwindelnder Höhe koordinieren die Jungs jede Kleinigkeit, Zentimeter um Zentimeter. Vor den staunenden Augen der zahlreichen Schaulustigen seilen sich weitere Retter nach oben auf den Kran. Was die Männer dabei vor allem brauchen, sind gute Nerven.
Denn auf der einen Seite müssen sie rasch die Verunglückten bergen. Auf der anderen Seite will jeder Handgriff gut überlegt sein. Ein Spaziergang ist das hier oben nicht. Allein die richtige Auswahl der Seile ist eine Herausforderung. "Wir haben statische Seile, aber auch elastische", erklärt Ausbilder Straub. Über unzählige Umlenkungen, Rollen und Befestigungen schaffen die Höhenretter ein architektonisches Meisterwerk. Nachher, wenn die beiden Verunglückten im Gurt hängen, muss alles sitzen.
Bevor die Männer allerdings am "seidenen" Faden Menschenleben retten, müssen sie kräftig pauken. In den ersten 40 Stunden bekamen sie die Theorie und Rettungstechniken erklärt. Nach weiteren 80 Stunden Training werden die Höhenretter dann voraussichtlich im kommenden Frühjahr im Ernstfall eingesetzt.
Gerüstet sind sie dann - für Hochspannungsmasten und den Fallschirmspringer im Baum genauso wie für Aufzugschächte. Nur eines dürfen sie dabei nie machen: Fehler.
