Ein Knochenjob mit wenig Romantik
Heidi Deufel ist die erste Schäfermeisterin im Zollernalbkreis
Messstetten-Heinstetten, 19.08.2003 von Bianka Roith
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Die Schafe fressen saftiges, grünes Gras, ein Hund springt um sie herum, inmitten der Herde steht, auf seinen Stock, pardon seine Schippe gestützt, der Schäfer und am Horizont geht die Sonne unter . . .
Von wegen: "Das ist ein Knochenjob", wischt Heidi Deufel aus Heinstetten jegliche romantische Vorstellungen vom Schäferdasein beiseite. Sie ist die erste Schäfermeisterin im Zollernalbkreis. Heidi Deufel hat in diesem "Knochenjob" ihren Traumberuf gefunden. Zunächst lernte sie jedoch nach der Schule in Meßstetten Bekleidungsschneiderin bei der Firma "Sanetta". "Meine Eltern wollten, dass ich was Richtiges lerne", erzählt Heidi Deufel. Recht schnell merkte die heute 29-Jährige aber, dass sie dieser Beruf nicht erfüllt: "Das hat mich total unglücklich gemacht, mit so vielen Leuten auf engem Raum."
Daher hat sie sich entschieden, Schäferin zu werden und begann mit 25 Jahren ihre Lehre bei dem Heinstetter Schäfermeister Harald Höfel. Dieser hat sich selbständig gemacht, als Heidi Deufel gerade 13 Jahre jung war. "Ich war immer so fasziniert von den Lämmern", erinnert sie sich und bekommt glänzende Augen. Die Leidenschaft des Mädchens blieb auch dem Schäfer nicht verborgen und er lud es ein, ihm einmal über die Schulter zu schauen.
"Das war mein Verhängnis", sagt Heidi Deufel heute und lacht. Denn es gab seit diesem Tag kein Halten mehr. Kaum war sie zuhause, flog der Schulranzen in die Ecke und sie ging zu "ihren" Schafen. Statt Verhängnis könnte man jedoch auch Glück oder sogar Schicksal sagen, denn dadurch wusste Heidi Deufel bereits, was auf sie zukommt, als sie sich schließlich für diesen Beruf entschied. "Ich habe da schöne und anstrengende Zeiten kennen gelernt", erinnert sie sich. Und fügt hinzu: "Man muss das aus Überzeugung machen." Denn das Privatleben, vor allem der Freundeskreis, kommen oft zu kurz. "Das hat sich ziemlich eingeschränkt", sagt die 29-Jährige.
Denn allzu oft (zumindest für manche) musste sie Verabredungen in letzter Minute absagen, weil sie eben nicht pünktlich Feierabend machen konnte, da ein Tier erkrankt war oder sich ausgerechnet dann anschickte, Nachwuchs zu bekommen, wenn Heidi Deufel mal was trinken gehen wollte. Was die Liebe angeht, ist das ganze noch problematischer: Es ist zum einen schwierig, jemanden kennen zu lernen. Außerdem müsse derjenige Welche ihren Beruf ja auch auf Dauer akzeptieren und Interesse zeigen.
Daher hat die Heinstetterin aber auch Verständnis, wenn Jüngeren das alles zu viel ist und sie nach wenigen Tagen die Schäferkarriere wieder ad acta legen: "Die möchten eben ihre Jugend genießen." Heidi Deufel tickt da anders, sie genießt auch das Alleinsein mit den Tieren in der freien Natur und schwärmt: "Ich habe eben mein Hobby zum Beruf gemacht." Traurig stimmt sie, dass der Schäferberuf vom Aussterben bedroht ist, unter anderem, weil man nur wenig verdient und die notwendigen Subventionen derzeit gekürzt werden. Dennoch träumt die seit Ende Juli frisch gebackene Schäfermeisterin davon, eine eigene Herde zu haben und auch Lehrlinge auszubilden. Die ersten Schritte dazu sind getan, doch ihre 60 Tiere reichen nicht, um sich als Schäferin selbständig zu machen. "Um davon leben zu können, braucht man schon 400 Schafe".
Bis es soweit ist, wird Heidi Deufel weiterhin im Auftrag der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Krankheitsvertretung machen bei Schafherden in ganz Baden-Württemberg. Sie wird noch viele Gegenden, Menschen und Schafe kennen lernen, unzählige Erfahrungen sammeln, Hunde und Schafe erziehen, hüten, scheren, Klauen pflegen, Geburtshilfe beim Ablammen leisten, kranke Tiere gesund machen und Lämmer schlachten. Denn auch das gehört zur Arbeit der jungen Frau, die sich für den eigentlich traditionell männlichen Schäferberuf entschieden hat - mit Leib und Seele.
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