Lena Landenberger hat die Bundesliga im Visier
Ausnahmespielerin des VfL Ostdorf wurde in Würzburg gesichtet
Ostdorfs erste - und, mit Verlaub, bisher einzige Handball-Nationalspielerin heißt Lena Landenberger. Die 15jährige wurde am Wochenende in Würzburg von Spähern des Deutschen Handball-Bundes gesichtet.
Im Montag-Training empfingen die Mannschaftskolleginnen ihre Neu-Nationalspielerin mit großer Freude. Die Ostdorfer Oberliga-C-Jugend, mit Ambitionen auf das Halbfinale zur Württembergischen Meisterschaft, war das Sprungbrett für Lena Landenberger.
Die heute 15jährige kam bereits im zarten Alter von drei Jahren zum Handball. "Damals wurde ich aber weggeschickt", erinnert sich Lena Landenberger an ihren ersten Verein, den EK Ebingen. Sie sei zu klein, lautete die Begründung.
Doch das tat ihrem unbändigen Willen keinen Abbruch. Im Gegenteil. Nach dem Umzug nach Balingen trainierte Lena Landenberger im Handballzentrum Balingen und beim VfL Ostdorf. Mittlerweile kommen die Stützpunkt-Trainingsabende in der Landessportschule Albstadt hinzu und bereit jetzt trainiert die Gymnasiastin einmal wöchentlich mit dem Zweitligateam der HSG Albstadt. Bis zu sechsmal Training sind also jede Woche angesagt.
Lohn für die Anstrengungen war bereits vor geraumer Zeit die Aufnahme in den Kader des Handballverbandes Württemberg. Dort reifte Lena Landenberger schnell zur Stammspielerin auf ihrer Position im halblinken Rückraum. Die Rechtshänderin kam über die HVW-Auswahl nun zur Einladung nach Würzburg, wo bei einem Länderturnier die besten Spielerinnen Süddeutschlands gesichtet wurden.
Dabei vergab der Deutsche Handball-Bund gewissermaßen "Noten": Wer in Kategorie eins eingestuft wird, genießt die sofortige Aufnahme und Unterstützung im DHB-Kader, die Kategorie zwei beziffert quasi den erweiterten Nationalmannschafts- Kader. Nur zwei Spielerinnen erhielten das Prädikat "Kategorie 1": Eine Akteurin aus Sachsen - und Lena Landenberger. Die Balingerin wurde über dies hinaus zur besten Spielerin des Turniers gewählt.
Kein Geld für Nachwuchs
Länderspiele im eigentlichen Sinn wird Lena Landenberger dennoch kaum bestreiten. Denn dem bundesdeutschen Handballverband fehlt das Geld. So hat der DHB sich dazu entschlossen, den Nachwuchsmannschaften selbst die Qualifkationsspiele zu großen internationalen Turnieren zu streichen (wir berichteten). Für Spielerinnen wie Lena Landenberger natürlich ein Schlag ins Gesicht. Die Zukunft wird abgetragen - noch ehe sie begonnen hat.
Lehrgänge stehen stattdessen auf dem Programm, das der erlauchte Kreis der DHB-Spielerinnen absolvieren darf. Am Osterwochenende beispielsweise reist die VfL-Nachwuchsspielerin nach Essen.
Derweil sind die Karrierepläne klar abgesteckt: "Mein Ziel ist die Bundesliga", sagt die lernwillige Jung- Nationalspielerin, die spätestens in zwei Jahren in den aktiven Bereich aufsteigen möchte.
Neben Snowboardfahren, dem großen Hobby neben Handball, bleibt für Lena Landenberger nicht viel Zeit für Nebenbeschäftigungen. Und sie weiß auch: "Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre das alles nicht möglich." Dabei wird die 15jährige nicht zuletzt an die 900 Kilometer gedacht haben, die alleine vergangenes Wochenende im Privat- Pkw heruntergespult wurden.
Lena Landenberger ist das Paradebeispiel der guten Nachwuchsarbeit im VfL Ostdorf. Dietmar Hermann, der Vater des großen Erfolgs, erinnert sich - heute schmunzelnd - zurück: "Vor Jahren bin ich Klingelputzen gegangen, habe um jede Spielerin von Haustür zu Haustür betteln müssen." Heute strebt die C-Jugend in der Oberliga der Vizemeisterschaft entgegen und kann sich für die Endrunde der Württembergischen Meisterschaft qualifizieren. Mehr noch: Die C II-Mädchen sind Zweiter im Handballbezirk Alb-Zollern und die D-Jugend weiblich hat den Bezirksmeistertitel praktisch in der Tasche.
Dennoch sieht Dietmar Herrmann auch Probleme: "Unser Potential ist riesig, allerdings können wir es leider nicht genügend ausschöpfen. Hauptsächlich fehlen eben geeignete Trainingsmöglichkeiten." Außer Frage steht, daß Herrmann ein großer Befürworter der offensichtlich dringend benötigten "Sporthalle Süd" ist.
Der Erfolg der Oberliga-C-Jugend ist selbstredend großer Verdienst von Trainer Günther Kirschbaum. Auch Lena Landenberger lobt ihren Coach: "Er kann uns sehr viel beibringen, verlangt aber auch sehr viel Einsatz." Kirschbaum wiederum attestiert seiner Ausnahmespielerin "viel Herz und Wille", eine physisch perfekte Verfassung, eine solide Handball- Grundschule und die Bereitschaft, jeden Tag etwas hinzuzulernen. "Damit hat sie das Zeug zur Bundesligaspielerin", ist sich der Erfolgstrainer sicher. Schade nur, daß sie das im VfL Ostdorf wohl nicht werden wird.