Schömberger Kirchengemeinde gegen verkaufsoffenen Sonntag

Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt will Gespräche abwarten

Schömberg, 05.02.1999 von

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Der Schömberger Handels- und Gewerbeverein (HGV) wünscht sich in seinem Jubiläumsjahr einen verkaufsoffenen Sonntag. In diesem Jahr feiert der Verein seinen 100. Geburtstag. Die katholische Kirchengemeinde des Schlichemstädtchens hat nun Kritik an diesem Vorhaben geäußert. "Ich habe kein Verständnis für einen verkaufsoffenen Sonntag", erklärte Schömbergs katholischer Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt gestern gegenüber unserer Zeitung. Während sich Dr. Holdt eindeutig gegen das Vorhaben des HGV aussprach, wollte sein evangelischer Amtskollege Christhard Seidel gestern noch keine Stellungnahme abgeben und die Gespräche mit dem Schömberger Verein abwarten. In einer Vorschau auf die geplanten Aktivitäten in diesem Jahr hatte HGV-Vorsitzender Franz Netzer bei der Hauptversammlung des Vereins am Mittwochabend einen möglichen verkaufsoffenen Sonntag am 19. September ins Gespräch gebracht. Er hatte in diesem Zusammenhang auch den Kirchen Gespräche angeboten, um "im Einvernehmen mit allen Interessengruppen" zu handeln. Begründet hatte Netzer die Beantragung eine verkaufsoffenen Sonntags mit der Konkurrenzsituation: "Aufgrund der Entwicklungen und Gegebenheiten werden wir beinahe dazu gezwungen, hier nachzuziehen". Gerade diese Argumentation ist für Pfarrer Dr. Holdt nicht nachvollziehbar. Wenn ein allgemeiner Druck vorhanden sei, müsse man sich diesem entgegenstellen. Mit der Thematik habe sich der Kirchengemeinderat schon im vergangenen Jahr befaßt, erläuterte Pfarrer Dr. Johannes Holdt. Damals sei man zu der Einsicht gelangt, daß die Kirchengemeinde den Nikolausmarkt an einem Sonntag gerade noch mittragen könne. Der gesamte Kirchengemeinderat wolle eine "Kommerzialisierung des Sonntags nicht mittragen", so der Stadtpfarrer, "der Sonntag ist für uns der Tag des Herrn". Er zeigte sich überrascht von dem Vorschlag des HGV: "Wir gingen davon aus, daß das in Schömberg nicht auf uns zukommt".
Kompromiß möglich?
Trotz der generellen Ablehnung des Schömberger Kirchengemeinderats will Pfarrer Dr. Holdt "die Gespräche abwarten". Ob man in diesen vom HGV angebotenen Gesprächen allerdings zu einem konkreten Ergebnis kommen kann, bezweifelte der Geistliche: "Ich weiß nicht, wie ein Kompromiß aussehen könnte". Er wies darauf hin, daß man bei dem geplanten verkaufsoffenen Sonntag einig sei mit der evangelischen Kirchengemeinde von Schömberg: "Wir haben uns theologisch mit der Frage beschäftigt und zwar in einem ökumenischen Rahmen."

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