Trotz Großauftrag für Werk Kündigung für Abteilung
30 Mitarbeiter betroffen - Beschäftigungsgesellschaft als Anker?
Schömberg, 17.11.1998 von Rosalinde Conzelmann
Während ein Großauftrag die Arbeitsplätze der Werks-Angehörigen der Schömberger Firma Schwörer bis zum Frühjahr sichert, gehen für die 30 Mitarbeiter der Abteilung "Schlüsselfertiges Bauen" dieser Tage die Kündigungen raus.
30 von den ehemals 45 Mitarbeitern der Schwörer-Abteilung stehen vor der Kündigung, weil keine Aufträge vorhanden sind. "Wir werden die Arbeitsplätze nicht halten können", hat uns Rüdiger Lommatzsch, Gewerkschaftssekretär für den Bezirk Hohenzollern, Bodensee und Allgäu, auf Anfrage mitgeteilt. Allerdings sieht der Gewerkschafter noch einen Rettungsanker für die betroffenen Arbeitnehmer. "Wir möchten eine Beschäftigungsgesellschaft gründen", sagt Lommatzsch. Dafür braucht die Gewerkschaft jedoch die Mithilfe des Sequesters Klaus Maier, der mit der Abwicklung des Konkurses beauftragt ist. "Er muß politisch aktiv werden, um an Zuschußmittel für die Gesellschaft zu kommen", lautet die Forderung der Gewerkschaft. Denn die EG und auch das Arbeitsamt fördern das einjährige Beschäftigungsmodell. Für die gekündigten Mitarbeiter wäre damit der Arbeitsplatz für weitere 12 Monate bei 80prozentigem Gehalt gesichert. "Wir hoffen, daß der Treuhänder mitzieht", sagt Lommatzsch.
Etwas rosiger stellt sich die die Situation für die rund 200 restlichen Schwörer-Beschäftigten dar. Ein 15- Millionen-Auftrag sichere den Erhalt der Arbeitsplätze bis zum Frühjahr, sagt Heinrich Dehner, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Trotz dieses Silberstreifens am Horizont blickt Dehner mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Er befürchtet nämlich, daß nach Erledigung des Auftrages weitere Kündigungen ausgesprochen werden, im schlimmsten Falle gar die Zerschlagung des Werkes droht.
Aus diesem Grund drängen er und auch der Gewerkschaftssekretär auf eine rasche Fortführung der Gespräche mit möglichen Käufern. Laut Sequester seien keine ernsthaften Interessenten da, sagt Rüdiger Lommatsch. Das Unternehmen habe jedoch durch die derzeitige Auftragslage einen besseren Ausgangspunkt für eine mögliche Übernahme. Deshalb müsse jetzt verhandelt werden.
Gestern mußten die Beschäftigten noch eine weitere bittere Pille schlucken: Obwohl ihr Arbeitsplatz nach dem Frühjahr wieder auf der Kippe steht, müssen sie dieses Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiten, um den Großauftrag termingerecht erfüllen zu können. "Bisher war die ganze Firma zwischen den Jahren geschlossen", berichtet Heinrich Dehner. Auf dieses Privilig müssen die Beschäftigten nun verzichten. Auch das Weihnachtsgeld ist noch mit einem Fragezeichen behaftet, meint Dehner. Er hofft jedoch, daß wenigstens ein Teil davon ausbezahlt wird.
Während die Schömberger immer noch auf der Suche nach einem Käufer seien, stehe das Freiberger Werk vor der Übernahme, hieß es außerdem aus Gewerkschafterkreisen.
