Ein poesie- und stimmungsvolles Klangerlebnis mit dem Kammerchor Ebingen und Michael Wendeberg am Flügel
Ein poesie- und stimmungsvolles Klangerlebnis mit dem Kammerchor Ebingen und Michael Wendeberg am Flügel

Albstadt-Ebingen, 26.02.2013

Tastenfeuer streichelt die Seele

Klassische Chor- und Klaviermusik in der Festhalle – Michael Wendeberg spielt filigran und funkelnd

Tastenfeuer streichelt die Seele
Als herausragender Klangkörper erwies sich einmal mehr der Ebinger Kammerchor unter der einfühlsamen Leitung von Brigitte Wendeberg, wobei sich Sohn Michael als brillanter Pianist anschloss.

Um es vorwegzunehmen: Der Konzertabend kam einem Seelenstreicheln gleich. So waren es zum Auftakt die „Klänge aus Mähren“, von Antonin Dvorak (1841-1904) poesievoll eingefangen und von Leoš Janácek (1854-1929) bearbeitet, die Eis, Schnee und Kälte draußen vergessen ließen und stattdessen Sonne und Wärme herbeizauberten.

Beide Komponisten haben hier auf eindrucksvolle Weise ihre Natur- und Heimatliebe tonmalerisch bekundet. Und diese Tonmalerei nahmen der Chor, dem etwa 40 Sängerinnen und Sänger aus dem süddeutschen Raum angehören, sowie Michael Wendeberg am Klavier ebenso überzeugend auf: mal leicht und luftig, mal emotional drängend, traurig und zuversichtlich.

Von Mähren aus führte der musikalische Spaziergang mit den fünf Klavierstücken „Im Freien“ in die Slowakei. Wie Dvorak fand auch ihr Schöpfer, der ungarische Komponist Béla Bartók (1881-1945), seine Anregungen in der Folklore, die er jedoch in eine völlig andere, expressive Rhythmik und Dynamik einband, wie sie sich in den vier vom gemischten Chor mit Klavierbegleitung intonierten slowakischen Impressionen widerspiegeln. Bartók wird als der bedeutendste Vertreter der Moderne gewertet, dessen Klangstil oft hart an die Atonalität grenzt und reich an Dissonanzen ist. Dafür steht auch seine Suite „Im Freien“, mit deren Interpretation Michael Wendeberg ein Feuerwerk der Gefühle entfachte.

Fast körperlich fühlbar sind die geballte Kraft der „Trommeln und Trompeten“ und die „Hetzjagd“, aber auch das Zarte, Geheimnisvolle nächtlicher Klänge. Sein musikalisches Gespür bezeugte der Pianist gleichermaßen bei den „Papillons“, mit denen Robert Schumann (1810-1856) das bunte „Durcheinanderflattern auf einem Faschingsball“ beschreibt. Pointiert wendet sich Wendeberg dem Trubel und der Maskerade zu, flirtet, schlendert weiter, changierend zwischen Dur und Moll, im Walzerschritt oder rondoartig bis zum Kehraus im verklingenden Zweivierteltakt.

Nach diesem klangmalerischen Bummel durch den Ballsaal erfährt Johannes Brahms (1833-1897) die innigste Zuwendung. Mit knapp 30 Jahren siedelte der Komponist nach Wien über, wo er bis zu seinem Tode blieb. So verwundert es auch nicht, dass ihn die österreichisch-ungarische Folklore inspirierte. Darauf basieren auch die A-cappella-Gesänge op. 93a und 104, die Quartette op. 92 und 112 sowie die berührenden „Zigeunerlieder“. Diese Perlen vokaler Kammermusik wurden vom Kammerchor mit Unterstützung von Michael Wendeberg in höchster Brillanz – filigran und funkelnd – präsentiert, wofür das Publikum viel Applaus spendete. Erneut bestätigte sich die Homogenität und Flexibilität des Ensembles, aber auch die Einfühlsamkeit und die Perfektion des Pianisten, die auch von Brigitte Wendeberg mit sichtlichem Stolz bewertet wurde.

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