Hechingen/Haigerloch, 30.01.2013

Kinderschänder in Haft

47-jähriger „Stiefvater“ zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 49 Fällen und weiteren 504 Fällen von sexuellem Missbrauch verurteilte das Schöffengericht Hechingen einen 47-jährigen Mann zu vier Jahren Haft.

Mit diesem Urteil ging das Schöffengericht gestern über den Antrag von Staatsanwältin Luther und der Vertreterin der Nebenklage hinaus, die dreieinhalb Jahre Gefängnis für schuld- und tatangemessen bezeichnet hatten.

In seiner Urteilsbegründung wies Richter Wührl noch einmal darauf hin, dass sich ein Teil des angeklagten Sachverhalts über einen langen Zeitraum erstreckte. Das Gericht sei davon ausgegangen, dass die Angaben der Geschädigten zutreffen.

Die Angaben seien somit Grundlagen der Feststellungen. Das Gericht habe sich die Frage gestellt, ob man der Geschädigten glauben kann, denn dann sei eine Verurteilung unausweichlich. Hätte es einen begründeten Zweifel gegeben, dann hätte ein Freispruch erfolgen müssen.

Das Gericht habe jedoch keinen Zweifel gehabt, denn die Geschädigte habe geschildert, dass sie, beginnend im Jahre 1998, über viele Jahre hinweg bis zum Jahre 2008 von ihrem Stiefvater missbraucht worden sei. Dabei habe sie nicht nur über einen erheblichen Zeitraum ausgesagt, was alles vorgefallen sei, sondern auch über Einzelfälle, vom Streicheln über der Kleidung bis hin zu weiteren intensiven Handlungen, berichtet.

Aus den Schilderungen schloss das Gerichts, das sexuelle Übergriffe für das Mädchen „im Grunde genommen zum Alltag gehörten“. Es sei „auf jeden Fall mindestens einmal die Woche, zeitweise auch drei Mal“ zu sexuellen Handlungen gekommen.

Aus diesen „nackten Zahlen“ habe das Gericht dann die Zahl der Fälle errechnet. Mit besonderer Sorgfalt habe das Gericht alle Umstände berücksichtigt, die für oder gegen den Angeklagten sprechen.

Aber die Aussagen des Opfers seien überzeugend gewesen. Die Geschädigte habe geschildert, wann und wo die Übergriffe begonnen haben und auch zwischen dem Gehalt der ersten Übergriffe und der späteren Steigerung differenziert.

Das Opfer habe nicht nur pauschal, sondern konkret ausgesagt und auch eine plausible Vorgehensweise geschildert: Sie wollte so oft wie möglich zu ihrer Oma.

Dafür spreche auch die Aussage, dass sie immer geweint habe, wenn sie allein mit dem Stiefvater sein musste. Dies habe auch ihre Mutter mit der Aussage bestätigt: „Sie hat immer geschrien, ich soll sie nicht allein lassen“.

Erst nach einer langen Leidenszeit hat sich das Mädchen einer Freundin anvertraut, die dann endlich den Schritt zur Vertrauenslehrerin gegangen sei. Erst danach sei ein Gespräch mit dem Rektor, dem Jugendamt und der Mutter zustande gekommen. Bis dahin hatte die Mutter ihrer Tochter nicht geglaubt, sondern im Gegenteil sie wegen ihrer Anschuldigungen gegen den Stiefvater noch geschimpft.

Dass dass Mädchen daraufhin „zugemacht“ hat, war für das Gericht gut nachvollziehbar. Auch wie sich das Mädchen später noch ihrem Freund anvertraut hat und es schließlich zur Anzeige gegen den 47-jährigen Täter gekommen ist, bezeichnete Richter Wührl als plausibel.

Das Mädchen sei „hellhörig“ geworden, nachdem die Mutter den Verdacht geäußert habe, der Stiefvater könnte sich auch an einer ihrer Schwestern vergreifen.

Mit der Strafe sei das Gericht „am untersten Rand“ geblieben, hieß es in der Urteilsbegründung.

Dass die Strafe nicht höher ausgefallen ist, hat der 47-jährige Kinderschänder auch den Aussagen seines Opfers zu verdanken, dass vor Gericht nicht ausgebreitet hat, wie schwer das erlittene Trauma ist.

Sie habe auch nie die Gelegenheit genutzt, so der Richter, bei ihren Schilderungen von Drohungen, Gewaltanwendungen oder Schmerzen „dick aufzutragen“, sondern habe sich „ zurückhaltend“ und „eher entlastend“ geäußert

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